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«Die Deutschen gehören laut dieser Statistik schon lange zu den Kränksten, aber 2022 wurden sie einsame Spitze.»

«Gut sechs Wochen Ferien und dann noch drei bis vier Wochen krank – kein Wunder, gilt Deutschlands Wirtschaft wieder wie zu den Zeiten, bevor Gerhard Schröder seine Hartz-Reformen wagte, als der kranke Mann Europas.»

«Europaweit scheint es üblicher geworden zu sein, sich am Arbeitsplatz wegen Krankheit abzumelden. Dass man sich in Deutschland seit der Pandemie Krankheitszeugnisse von Ärzten elektronisch ausstellen lassen kann, dürfte diese fragwürdige Praxis erleichtern.»

«In ganz Europa ist ein Wandel hin zur Freizeit- und Anspruchsgesellschaft zu beobachten.»

«In Deutschland hat sich die durchschnittliche Jahresarbeitszeit in den vergangenen 23 Jahren um 76 Stunden verringert.»

«Der durchschnittliche amerikanische Arbeitnehmer verbringt mit 1810 Stunden weit über ein Drittel mehr Zeit bei der Arbeit als der Deutsche mit seinen 1301 Stunden. Und auch der durchschnittliche Schweizer arbeitet über 200 Stunden mehr pro Jahr als der Deutsche, der in Europa arbeitsscheuste Arbeitnehmende.»

«Besonders problematisch ist in Deutschland auch, dass sich wegen der früh einsetzenden hohen Steuerprogression das Arbeiten für Geringverdienende besonders wenig lohnt. Alleinverdiener ohne Kinder, die bloss zwei Drittel des durchschnittlichen Einkommens erzielen, müssen davon in Deutschland laut den Berechnungen der OECD 45 Prozent an den Staat abgeben. Selbst in Frankreich sind es nur 33 Prozent, in Schweden 29 und in der Schweiz 22 Prozent.»

«Nicht nur in Deutschland, aber dort ganz besonders, werden die Anreize zusätzlich dadurch verzerrt, dass Geringverdienende diverse staatliche Unterstützungszahlungen und Hilfen in Anspruch nehmen können, die wegfallen oder stark reduziert werden, wenn das Erwerbseinkommen wächst. Der Weg von der Leistungs- hin zur Anspruchsgesellschaft ist so vorgespurt.»

«Würden die Deutschen wieder länger und lieber arbeiten, könnten sie verlorene Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen. Tun sie dies nicht, droht der Wohlstand zusehends zu erodieren.»

«Zweitens werden in den nächsten Jahren deutlich mehr Erwerbstätige in Pension gehen, als Junge nachrücken. Die EU-Kommission prognostiziert, dass die Zahl der Arbeitskräfte im erwerbsfähigen Alter in den kommenden zehn Jahren in Deutschland jedes Jahr um über 250 000 Personen schrumpfen wird. Gleichzeitig soll der Bevölkerungsanteil der Pensionierten von 22 auf 27 Prozent zunehmen.»

«Soll Europa wieder auf die Spur und zu mehr Wachstum finden, wird die erwerbsfähige Bevölkerung mehr arbeiten müssen – ganz besonders in Deutschland.»

«Deutschland bezahlt derzeit über 5,5 Millionen Menschen ein sogenanntes Bürgergeld. Rund die Hälfte von ihnen sind Flüchtlinge. Die Unterstützung, welche das Existenzminimum absichern soll und die früheren Hartz-IV-Leistungen abgelöst hat, entspricht einem bedingungslosen Grundeinkommen. Dazu kommen diverse weitere soziale Unterstützungsleistungen.»

«Wir erleben eine Krise der Meritokratie. Ein übertriebener Kündigungsschutz und eine zu starke Regulierung führen in Deutschland dazu, dass sich zu wenig fürchten muss, wer am Arbeitsplatz wenig Einsatz zeigt, und umgekehrt leistungsstarke Mitarbeiter oft zu wenig belohnt werden.»

«Dabei wäre das beste Mittel, um die Arbeitsanreize zu erhöhen, ein schlanker Staat mit tiefer Steuerbelastung.»

https://www.nzz.ch/pro/wochenkommentar/31-ferientage-und-25-tage-krank-die-deutschen-arbeiten-zu-wenig-und-selbst-die-schweizer-sind-traeger-geworden-ld.1857915