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«Der höhere Preis von Bio-Produkten im Supermarkt schreckt weiterhin viele Kunden ab. „Bio“ gilt oft als elitär, als Hobby der Wohlhabenden. Unter den Tisch fällt, dass die konventionelle Landwirtschaft mit versteckten Kosten für die Allgemeinheit einhergeht, deren Ausmaß erheblich ist.»

«Gemeint ist damit, dass für Schäden, die von der konventionellen Landwirtschaft verursacht werden, derzeit oft die Allgemeinheit geradesteht. Für Deutschland hat die 2019 von der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel initiierte Zukunftskommission Landwirtschaft, beruhend auf einer Studie der Boston Consulting Group, 90 Milliarden Euro Folgeschäden für die Umwelt errechnet, die von der traditionellen Landwirtschaft jährlich verursacht würden.»

«Obwohl Bio-Landwirtschaft weltweit am Vormarsch ist, bleibt sie in den meisten Ländern eine Marktnische. In Österreich, EU-weit Vorreiter beim Bio-Anbau, wurden im Jahr 2025 insgesamt 27 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche biologisch bewirtschaftet – also mehr als ein Viertel. In Deutschland waren es 2024 lediglich 11 Prozent der Flächen. Der geringe Anteil liegt zum Teil daran, dass die konventionelle Landwirtschaft von der EU gefördert wird und große Höfe zudem das meiste Geld erhalten. Kleine Landwirte kämpfen dagegen zunehmend ums Überleben.»

«Die Agrarindustrie gehört zu den größten Umweltsündern: Um die Erträge zu steigern, werden Pestizide und Kunstdünger eingesetzt, mit schweren Folgen nicht nur für Natur und Tierwelt, sondern auch für die menschliche Gesundheit. Das wurde zuletzt in der Debatte um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat deutlich. Monokulturen zerstören die Böden und verbrauchen große Mengen an Wasser; in der Massentierhaltung leiden die Tiere unter widernatürlichen Bedingungen. Zudem kommt Soja als Tierfutter zum Einsatz, das dort angebaut wird, wo früher Wälder standen.»

«Der Frage der realen Kosten ging Dr. Tobias Gaugler vom Institut für Materials Resource Management der Universität Augsburg in der 2018 erschienenen Studie „How much is the dish – was kosten uns Lebensmittel wirklich?“ nach. „Unsere Untersuchungen offenbaren eine teils enorme Differenz zwischen den aktuellen Erzeugerpreisen und den wahren Kosten“, sagt Gaugler. „Die höchsten externen Folgekosten und damit größten Fehlbepreisungen gehen mit der Produktion konventionell produzierter Fleisch- und Wurstwaren einher.“ Diese müssten auf Erzeugerebene dreimal so teuer sein, wie sie derzeit sind, die zweithöchsten Aufschläge müssten für konventionell hergestellte Milchprodukte erfolgen, die niedrigsten für Bio-Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs, so der Forscher. Bei tierischen Produkten sei die Höhe der externen Kosten vor allem durch die energieintensive Aufzucht der Nutztiere bedingt: Futtermittelanbau, Beheizung und Belüftung der Ställe sowie der Stoffwechsel der Tiere führten zu Austragungen von reaktivem Stickstoff und von Treibhausgasen sowie zu einem Energiebedarf, der bedeutend höher sei als bei pflanzlichen Produkten. „Für viele negative Klima-, Umwelt- und Gesundheitsfolgen, die sich aus der Produktion von Lebensmitteln ergeben, kommen aktuell weder die Landwirtschaft noch die Konsumenten auf“, kritisiert Gaugler. Ein weiteres Beispiel sei die von Verbrauchern getragene Wasserrechnung für die Aufbereitung von Trinkwasser, welches aufgrund von Düngemitteln belastet sei. „Hier handelt es sich um eine Form von Marktversagen, dem mit wirtschaftspolitischen Maßnahmen begegnet werden müsste.“»

https://multipolar-magazin.de/artikel/wenn-billig-teuer-kommt