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Dr. med. Henrich
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Mit Erlaubnis von Marika Marcuzzi möchte ich eine Mail von ihr veröffentlichen, die auf die Schächtproblematik in Frankreich beschreibt:

Sehr geehrter Herr Pfarrer Pahlke,
Sehr geehrter Herr Pfarrer Dierlich,

kürzlich haben Sie viele Emails anlässlich Ihrer Feier mit Halal-Gegrilltem erhalten.
Von Ihrer Antwort zu entnehmen waren Sie sehr erstaunt über diese Reaktionen.

Ich möchte mich den Menschen, die Ihnen geschrieben haben, anschließen: sie haben recht, Sie auf Gefahren hinzuweisen, denn die Gefahren sind real, und Sie auf das Leid der Tiere hinzuweisen, denn dieses ist leider noch realer.

Hierzu möchte ich Ihnen Informationen aus Frankreich mitgeben weil dort die Islamisierung fortgeschrittener ist als in Deutschland und somit festgestellt werden kann, was passiert, wenn den Halal-Produkten die Tür geöffnet wird.

Lassen Sie mich bitte mit einem Beispiel beginnen:

Erst vor ein Paar Tagen habe ich in Frankreich einen Aufruf zu einer Aktion gegen das französische Labor Urgo erhalten. Dieses Labor stellt Schlaftabletten her, in denen die Zutat “Gélatine bovine halal” (siehe angehängtes Foto) zu finden ist.

Ein Konsument hat das Labor angeschrieben, weil er erstaunt war, dass in den Schlaftabletten Halal-Gelatine verarbeitet wird. Die Antwort war: obwohl sie natürlich verstünden, dass dieser Konsument keine Halal-Gelatine in seinen Schlaftabletten haben möchte, es könne nicht auf alle Spezifitäten der Konsumenten eingegangen werden. Hier die Antwort des Labors, falls Sie französisch sprechen:

“From: info@laboratoiresurgo.fr
Subject: réponse à votre remarque sur l’un de nos produits : MELA-SOMMEIL
Bonjour,

Nous accusons réception de votre réclamation et nous regrettons que l’un de nos produits ne vous ait pas donné entière satisfaction. Nous comprenons votre position et la respectons. C’est d’ailleurs pour cette raison que nous précisons clairement sur notre emballage la nature des ingrédients et des actifs de notre produit, pour que chaque consommateur sache précisément ce qu’il ingère. Malheureusement, nous ne pouvons pas répondre à toutes les spécificités des consommateurs. Nous n’utilisons pas de gélatine végétale dans ce produit pour des questions de formulation spécifique.                                                                                                      Nous vous prions de croire, Monsieur, en l’assurance de nos salutations.                                                                                                                                 Le Service Consommateurs des Laboratoires Urgo HealthCare”

Dieses Labor tut aber genau das: es geht auf die Spezifitäten einer religiösen Gemeinschaft ein, die 7% der französischen Bevölkerung ausmacht und weist die Forderung eines Nicht-Muslimen mit der Begründung zurück, keine Halal-Gelatine in Schlaftabletten zu wollen sei eine “Spezifizität”.

Was aber noch besorgniserregender ist: in Frankreich wird – obwohl die muslimische Gemeinschaft zzt. 7,5% der französischen Bevölkerung ausmacht (und die jüdische 0,75%) – bereits zu 51% nach der Halal- und Koshermethode in ganz Frankreich geschlachtet.

Die Anzahl der Ausnahmegenehmigungen für rituelle Schlachtungen soll zwar an den tatsächlichen Verbrauch durch jüdische und muslimische Gläubige gebunden werden aber in Frankreich wird trotzdem viel mehr rituell geschlachtet als wegen des tatsächlichen Verbrauchs durch jüdische und muslimische Gläubige notwendig. In einem im November 2011 erschienenen Bericht präzisiert der französische Generalrat für Ernährung, Landwirtschaft und ländliche Räume, dass 51% der Schlachtungen in Frankreich rituelle Schlachtungen sind. Der Landwirtschaftskammer der Region Ile-de-France (Paris und Umgebung) zufolge werden 100% der Tiere in der Region Ile-de-France gemäß der jüdischen und muslimischen Tradition geschlachtet. In ihrer Mitteilung vom 21. Februar 2012 präzisiert die Landwirtschaftskammer, dass die Betreiber ein einheitliches Verfahren bevorzugt haben, und zwar das der rituellen Schlachtung, um die Arbeitsvorgänge zu vereinfachen und die Kosten zu reduzieren.
Quelle:
http://www.fondationbrigittebardot.fr/abattage-rituel-Stephane-LeFoll

Die Situation ist in anderen europäischen Ländern nicht viel anders. Ab dem Moment wo „traditionelle“ Schlachthäuser beginnen, nach der jüdischen und muslimischen Tradition zu schlachten, um ihren Umsatz zu steigern, ist die Versuchung groß, es so wie die französischen säkularen Schlachthöfe zu machen: nur noch koscher und halal zu schlachten, um Kosten zu sparen.

Französische Tierschutzorganisation (wie die Stiftung 30 Millionen Freunde) fordern derzeit als erste Maßnahme die Kennzeichnung der Schlachtungsmethode und als zweite eine Betäubungspflicht ohne Ausnahme. Die Stiftung Brigitte Bardot, der Dachverband der Tierschutzvereine Frankreichs und die den Nutztieren gewidmeten Organisationen PMAF und OABA unterstützen die Gesetzesvorlage der Senatorin Sylvie Goy-Chavent für eine Betäubungspflicht ohne Ausnahme, d.h. letztendlich für das Verbot dieser Komponente der rituellen Schlachtung (es gibt andere Komponenten zur Halal-Schlachtung wie Ausrichtung des Tieres nach Mekka, Gebet des “sacrificateur”… diese Komponenten werden oft aus Zeitgründen in großen Schlachthöfen nicht beachtet, nur der leidvolle Tod der Tiere durch Kehlschnitt ohne Betäubung wird “gewissenhaft” beibehalten – Tieren mutet man ja alles zu)

In Frankreich ist somit festzustellen, dass manches, was eine Ausnahme bleiben sollte, bereits zur Normalität geworden ist. Und mit dem immer weiter steigenden Anteil der muslimischen Gemeinschaft in den Europäischen Ländern wird sich das Problem der Ausnahmeregelungen die zum Standard werden eher verschärfen.

Schätzungen der muslimischen Gemeinschaft (auch für Deutschland) im Jahr 2050: http://www.halalbook.fr/actufiche-17-6227.html

Frankreich ist nicht weit von Deutschland und vielleicht können diese Informationen dazu beitragen, dass Sie die Empörung deutscher Tierschützer über Ihre Bagatellisierung des Halal-Grillens aus einer anderen Warte sehen.

Danke, dass Sie meine Nachricht gelesen haben.

Mit freundlichen Grüßen,

Marika Marcuzzi
Französin
Veganerin aus Liebe für die Schöpfung, die auch die Nutztiere einschließt.

Noch eine ergänzende Mail von Frau Marcuzzi:

Hallo Herr Dr. Henrich,

Sie können meine Mail veröffentlichen, ich sehe da kein Problem.

Die OABA hat eine Liste mit den Schlachthöfen, die systematisch die Betäubung praktizieren, veröffentlicht.

https://www.oaba.fr/pdf/Liste_abattoirs_2015.pdf

Um das Beispiel der Stadt, in der ich aufgewachsen bin, zu nehmen:  FR 64.024.001 ANGLET

Die Ziffer 64 steht für die Pyrénées Atlantiques.

Die Département Codes von Paris (75) und von der Région Parisienne, der Region um Paris, (77, 78, 92, 93, 94, 95) sind auf der Liste nicht zu finden: es gibt kein einziger Schlachthof in Paris und um Paris, der die Betäubung zu 100% praktiziert. Laut der Landwirtschaftskammer der Region Ile-de-France zufolge werden 100% der Tiere in dieser Region gemäß der jüdischen und muslimischen Tradition geschlachtet.

Die Betäubung der Tiere vor ihrer Entblutung wurde in Frankreich im Jahr 1964 per Dekret eingeführt, unter dem Druck einer Petition von Jacqueline Gilardoni, Gründerin der Organisation OABA, die im Jahr 1961 150.000 Unterschriften gesammelt hat, eine davon war die Unterschrift von Edith Piaf.

Mit freundlichen Grüßen,

Marika Marcuzzi

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