Angemeldet als:
Logo

«Ein neuer Bericht dokumentiert die Vertreibung von 117 Gemeinden im Westjordanland und fordert Sanktionen gegen Benjamin Netanyahu.»

«Der neue Bericht, den Amnesty International am 10. Juni 2026 in Berlin vorstellte, heisst «Erasing Anything Palestinian: Israel’s Ethnic Cleansing of the West Bank Bedouin and Herding Communities». Er umfasst 150 Seiten und ist das Ergebnis einer Feldforschung, die 2024 begann, von Gemeinden, mit denen Amnesty-Mitarbeitende seit über zwei Jahrzehnten in Kontakt stehen. Und er ist der jüngste in einer Serie von Berichten, die gemeinsam ein System dokumentieren: Apartheid, Genozid und nun die Vertreibungen im Westjordanland.»

«Was Straflosigkeit in diesem Kontext bedeutet, zeigt exemplarisch der Fall des Aktivisten Awda al-Hathaleen. Am 28. Juli 2025 wurde er vom Siedler Yinon Levi n Umm al-Khair vor laufender Kamera erschossen. Der Mörder kam einen Tag in Haft und wurde drei Tage unter Hausarrest gestellt. Dann durfte er nach Umm al-Khair zurückkehren und begann einen neuen illegalen Aussenposten zu errichten. Bis heute gibt es keine Anklage.»

Der entscheidende argumentative Kern des Berichts und Callamards eindringlichster Punkt an der Berliner Pressekonferenz ist folgender: Was im Westjordanland geschieht, ist keine Abweichung, kein Werk von Extremisten, kein Kollateralschaden fanatischer Minister, sondern israelische Staatspolitik. «Das ist nicht das Werk von Einzelgängern», sagte Callamard. «Es geht nicht auf das Konto einiger weniger Siedler oder sogenannter extremistischer Minister. Das ist ein staatliches Projekt.»

«Das ist der Kernkonflikt mit der bisherigen europäischen Reaktion: Die EU-Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland, haben Siedlergewalt wiederholt als Problem einzelner Akteure dargestellt, nicht als systemische Politik.»

«Diese Kampagne hat ihre Wurzeln in Israels seit langem bestehendem Apartheid-System», sagte Callamard. «Die Kampagne der ethnischen Säuberung ist nichts Neues.»

«Eine Reihe von Siedlern und Soldaten, die im Westjordanland aktiv seien, besitze neben der israelischen eine europäische Staatsbürgerschaft und wäre der nationalen Justiz direkt zugänglich. «Auf unseren Strassen laufen Kriegsverbrecher herum, und niemand unternimmt etwas dagegen», sagte Callamard.»

https://www.infosperber.ch/freiheit-recht/menschenrechte/amnesty-wirft-israel-ethnische-saeuberung-vor/