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  1. Oktober 2026

Verfasst von Vanessa Cheng

Hier die deutsche Übersetzung:

Einige Entwickler gehen davon aus, dass die Einführung von kultiviertem Fleisch auch das Tierwohl verbessern könnte, indem die Zahl der geschlachteten Nutztiere deutlich reduziert wird.

China ist der weltweit grösste Fleischkonsument, und Schweinefleisch dominiert den Markt. Laut nationalen Statistiken lag der Pro-Kopf-Verbrauch von Schweinefleisch in China im Jahr 2024 bei 28,1 kg, gefolgt von Geflügel mit 12,5 kg und Rindfleisch mit 3,9 kg. Doch hinter dieser enormen Nachfrage steht die traditionelle Fleischindustrie vor vielfältigen Herausforderungen.

Der in Peking ansässige Lebensmittelwissenschaftler Thomas David DuBois erklärte, die Branche sei besonders anfällig für Epidemien. Ein Bericht der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE) zeigt, dass China in den Jahren 2018/19 aufgrund von Ausbrüchen der Afrikanischen Schweinepest rund 40 Prozent seines Schweinebestands verloren hat. „Alle Schweine in China gehören im Grunde derselben Rasse an, und zwar einer importierten. Ein Virus, der diese Schweine befällt, könnte potenziell den gesamten Schweinebestand auslöschen“, so DuBois.

Krankheitsausbrüche bei Nutztieren gefährden nicht nur die Ernährungssicherheit und treiben die Fleischpreise in die Höhe, sondern erhöhen auch das Risiko von Zoonosen und gefährden die menschliche Gesundheit. Der Einsatz neuer Lebensmitteltechnologien ist ein vielversprechender Ansatz.

Entwicklung von kultiviertem Fleisch in China

Viele Länder entwickeln kultiviertes Fleisch – im Labor aus tierischen Zellen gezüchtet – als Alternative zu konventionellem Fleisch, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Laut einem Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) gehen einige Entwickler davon aus, dass die Einführung von kultiviertem Fleisch auch das Tierwohl verbessern könnte, indem die Zahl der geschlachteten Nutztiere deutlich reduziert wird.

Als eines der Länder, in denen die meisten Nutztiere geschlachtet werden, schuf China sein erstes kultiviertes Fleisch im Jahr 2019 durch ein Team der Landwirtschaftlichen Universität Nanjing (NAU), nachdem 2013 in den Niederlanden der weltweit erste Burger aus kultiviertem Fleisch hergestellt worden war.

Einige Länder, darunter die USA, Singapur und Australien, haben den Verkauf von kultiviertem Fleisch für den menschlichen Verzehr zugelassen. China gehört nicht dazu, doch die APAC Society for Cellular Agriculture (APAC-SCA) erklärte, China stehe nicht hinterher und könne seine Konkurrenten aufgrund seiner Vorteile in Biotechnologie und Produktion sogar überholen.

„Die grösste Herausforderung besteht nun darin, von vielversprechenden Pilotversuchen zu einer wiederholbaren, lebensmittelsicheren und wirtschaftlich tragfähigen industriellen Produktion überzugehen“, sagte Peter Yu, Programmdirektor von APAC-SCA.

„China verfügt über ein enormes bestehendes Ökosystem für die Bioproduktion, darunter Fermentation, pharmazeutische Herstellung, Lebensmittelverarbeitung und Industrieanlagen“, sagte er. „Diese Infrastruktur könnte sehr wichtig werden, wenn kultiviertes Fleisch von der Laborforschung und -entwicklung in die Massenproduktion übergeht.“

In China sind mehrere Startups in der Branche aktiv, darunter Joes Future Food, ein Spin-off des NAU-Teams. Im Dezember 2025 eröffnete das Unternehmen eine Pilotanlage für kultiviertes Fleisch – die grösste in China – und schloss die weltweit erste grosstechnische Testproduktion von kultiviertem Schweinefleisch in einem 2.000-Liter-Bioreaktor ab.

Zu den weiteren führenden Startups in diesem Sektor zählt das in Shanghai ansässige Unternehmen CellX, das 3D-Biodrucktechnologie einsetzt. Die Firma eröffnete 2023 eine Pilotanlage, die jährlich einige Tonnen kultiviertes Fleisch produzieren kann, und plant eine weitere Anlage für die kommerzielle Produktion mit einer Kapazität von Hunderten Tonnen Fleisch pro Jahr.

Diese führenden Startups zeigen, dass China sich nicht länger auf Forschung und Entwicklung beschränkt, sondern stattdessen auf die Massenproduktion hinarbeitet – der Schlüssel zur Überwindung der Kosten- und Skalenengpässe der Branche.

Vorschriften und staatliche Unterstützung

Es gibt keinerlei Anzeichen dafür, wann die chinesische Regierung kultiviertes Fleisch für den menschlichen Verzehr zulassen wird. Die Ernährungssicherheit hat in den letzten Jahren jedoch in China an Bedeutung gewonnen; die Behörden bezeichnen sie als „wichtige Voraussetzung“ für die nationale Sicherheit.

Yu erklärte, die Regierung habe eindeutig Interesse an den umfassenderen Technologiebereichen, die der Herstellung von kultiviertem Fleisch zugrunde liegen. „Besonders interessant ist, dass kultiviertes Fleisch gleichzeitig mehrere strategische Prioritäten Chinas erfüllt: Ernährungssicherheit, Biotechnologie, fortschrittliche Fertigung und die Verringerung der Abhängigkeit von ressourcenintensiven landwirtschaftlichen Betriebsmitteln“, sagte er.

Angesichts des enormen Fleischkonsums der chinesischen Bevölkerung hat die Regierung die Notwendigkeit eines diversifizierten Lebensmittelversorgungssystems betont, um die Selbstversorgung mit Lebensmitteln zu gewährleisten. Dies schliesst die Erforschung alternativer Proteinquellen jenseits traditioneller Nutztiere und Geflügel durch Fortschritte in der Biowissenschaft und -technologie ein.

Darüber hinaus wurden die Produktion von „Lebensmitteln der Zukunft“ und die Forschung an zellkultiviertem Fleisch in einem Fünfjahresplan erwähnt, der 2021 vom Ministerium für Landwirtschaft und ländliche Angelegenheiten veröffentlicht wurde.

Angesichts der politischen Bedeutung von Ernährung und Landwirtschaft in China sagte DuBois, dass staatliche Unterstützung und Anleitung für die Entwicklung von kultiviertem Fleisch von zentraler Bedeutung sein würden.

Er geht jedoch davon aus, dass die traditionelle und die kultivierte Fleischindustrie nebeneinander bestehen werden, da die Behörden aufgrund der langfristigen Unsicherheiten im Bereich der Lebensmittelsicherheit bei einem vollständigen Übergang äusserst vorsichtig sein würden.

„Ich könnte mir vorstellen, dass man diese beiden Sektoren nebeneinander existieren lassen will. Die Regierung wird nicht alles auf eine Karte setzen wollen“, sagte er.

Blicken wir nach vorn

Neben politischen Signalen wird die Akzeptanz durch die Verbraucher ein weiterer Schlüsselfaktor sein – und beides ist eng miteinander verknüpft.

Eine Studie der APAC-SCA aus dem Jahr 2025 untersuchte die Einstellung der Verbraucher zur zellulären Landwirtschaft in den chinesischen Grossstädten Peking, Shanghai, Guangzhou und Shenzhen. Die Ergebnisse zeigten, dass über 75 Prozent der Befragten bereit wären, kultiviertes Fleisch oder Meeresfrüchte mindestens einmal zu probieren.

Obwohl Yu betonte, dass die Bereitschaft zum Ausprobieren nicht zwangsläufig zu regelmässigem Konsum führe, glaubt er, dass China, sobald ein klarer regulatorischer Rahmen und ausreichendes Vertrauen in die Sicherheit von kultiviertem Fleisch vorhanden seien, relativ schnell vorankommen und seine Konkurrenten sogar übertreffen könne.

„Das Land muss nicht unbedingt der erste Markt sein, der kultiviertes Fleisch zulässt“, sagte er. „Es könnte sich aber letztendlich zu einem der wichtigsten Märkte für die Massenproduktion entwickeln.“

Quelle: https://www.speciesunite.com/news-stories/china-isnt-first-on-cultivated-meat-but-could-become-the-biggest-market