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«Im Yuval Abrahams Dokumentarfilm „Naza“ sprechen 24 israelische Soldaten und Geheimdienstleute über den Krieg in Gaza. Sie beschreiben Kriegsverbrechen aus der Ferne, als Bürojob, der manchen sogar Spaß macht

«Die zuverlässigsten Ziele seien gar nicht die mutmaßlichen Kämpfer selbst, sondern die Häuser, in denen sie wohnen. Die seien leicht auszumachen, weil die Handys dort jede Nacht aufhörten, sich zu bewegen – zu Hause, wo auch die Frau und die Kinder schlafen. Dann, sagt er, fallen die Raketen vom Himmel.»

«Selten haben Soldaten so viel gepostet wie aus dem Gaza-Krieg. Da wird über die „Schönheit“ von Explosionen gejubelt, und im Hintergrund surren Artilleriegeschosse. Für die einen ist es der pure Zynismus, für andere ein Beweismittel.»

«Die Silhouetten sind schwer voneinander zu unterscheiden, sie wurden, ebenso wie die Stimmen der Protagonisten, mit künstlicher Intelligenz verfremdet, um nicht erkannt zu werden. Warum die Israelis überhaupt vor die Kamera treten – ob aus Stolz oder Schuldgefühlen –, bleibt in den meisten Fällen vage. Der Fokus liegt auf dem System, in dem sie operieren.»

«Mehrere der Soldaten sagen, dass zivile Opfer nicht nur billigend in Kauf genommen werden. So viele Palästinenser wie möglich zu töten, sei vielmehr das Ziel. Schließlich gebe es in diesem Krieg keine Unbeteiligten. Ob er denke, dass er an einem Genozid beteiligt gewesen sei, lautet eine Frage. Der Interviewte zögert keine Sekunde, bevor er die Frage bejaht.»

«„Naza“, der Titel des Films, sei in der israelischen Armee das Kürzel für zivile Opfer, erklärt einer. Jedem potenziellen Ziel sei in der KI-Software ein Naza-Wert zugeordnet. Alles unter 20 – 20 unschuldige Menschen – bedürfe keiner besonderen Erlaubnis. Einmal habe er eine Freigabe für ein Ziel mit einem Wert von 500 bekommen, als würde er auf einen Schlag ein ganzes Dorf auslöschen. Die kombinierten Naza-Werte aller potenziellen Hamas-Kämpfer seien größer als die Gesamtzahl der Menschen in Gaza, sagt ein Soldat ratlos. Er wisse nicht, was er mit dieser Einsicht anfangen solle.»

«Die Zugriffsmöglichkeiten auf die Handys in Gaza scheinen grenzenlos zu sein. Einer der Männer erzählt, wie er auf dem Handy eines Palästinensers ein Foto von dessen beiden kleinen Töchtern gesehen habe. Bei dem Angriff habe er über das Handy live verfolgt, wie eines der beiden Mädchen verbrannt sei. Gern würde man das Gesicht des Interviewten sehen, als er das erzählt, aber da ist nur dieser Schatten.»

«Es habe die Anweisung gegeben, so viel zu zerstören wie möglich, bevor die internationale Legitimation für den Militäreinsatz schwindet, sagt einer der Männer. Sie seien Experten darin geworden, Häuser niederzubrennen, acht Minuten sei ihr Rekord gewesen. Ein anderer berichtet, wie aus der Entfernung, aus Tel Aviv, Todeszonen in Gaza festgesetzt wurden. Wo die Grenzen verliefen, hätten die Palästinenser gelernt, indem sie erschossen wurden, wenn sie sich zu weit bewegten.»

«Und wieder ein anderer berichtet von Essensausgaben in Gaza, als Scharfschützen – seine Leute – auf die Hungernden feuerten. Internationale Medien, auch die SZ, hatten darüber berichtet. Nun zu sehen, wie jemand auf einem Dach in Tel Aviv Strichmännchen aufzeichnet, völlig ungerührt, so und so seien sie umgefallen, so und so hätten die Körper gelegen, das lässt einem das Blut in den Adern gefrieren.»

«Einer sagt, es mache Spaß, Palästinenser zu töten. Das sei die Mission. Es fühle sich gut an, die Mission zu erfüllen. Die Armee habe psychologische Betreuung angeboten, aber die habe keiner aus seiner Einheit gebraucht. Ein anderer sagt: „Wir töten diese Kinder absichtlich.“ Wellen um Wellen des Grauens. Und dann wieder diese unerträgliche Stille in den Häuserschluchten bei Nacht.»

«Bei der Premiere in Venedig bekam „Naza“ nun 25 Minuten lang stehenden Applaus – dem Branchendienst Deadline zufolge wurde noch kein Film auf einem der großen Festivals je so lang beklatscht.»

Anmerkung: Alles das wurde massiv und vehement von westlichen Politikern, besonders aus den USA und Deutschland, unterstützt.

https://www.sueddeutsche.de/kultur/premiere-gaza-palaestina-israel-lavender-li.3545454