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Dr. med. Henrich
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Immer wieder tauchen Fehlinformationen über vegane Ernährung auf, die von Autor zu Autor weitergegeben werden, offensichtlich ohne auf die Erkenntnisse wissenschaftlicher Studien Rücksicht zu nehmen. Angeblich seien Mangelerscheinungen für Eiweiss, Kalzium, Eisen und Vitamin D typisch für vegane Ernährung. Tatsache ist aber, dass angebliche Mangelerscheinungen für Eiweiss, Kalzium, Eisen und Vitamin D nicht typisch für vegane Ernährung sind und auch bei einer abwechslungsreichen veganen Kost nicht zu erwarten sind. Wissenschaftliche Studien zeigen genau das Gegenteil: Veganer mit einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Kost sind optimal mit gesundem pflanzlichen Eiweiss (höherer Gehalt an basischen Aminosäuren) versorgt. Hingegen ist zu viel tierliches Eiweiss (höherer Gehalt an sauren Aminosäuren) die Ursache für eine Reihe von Zivilisationskrankheiten, wie zum Beispiel Osteoporose, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Übergewicht, Krebs usw. Fleischesser und Milchtrinker verlieren wegen ihrer hohen Eiweissaufnahme grosse Mengen an Kalzium. Osteoporose existiert daher fast nur in westlichen Gesellschaften mit hohem Fleisch- und Milchkonsum. Länder mit einem geringen Fleisch- und Milchkonsum verzeichnen dagegen nur sehr geringe Osteoporoseraten. VeganerInnen sind bei einer abwechslungsreichen Kost sehr gut mit Kalzium versorgt, gerade wenn sie auf kalziumreiche Gemüse (z.B. Brokkoli), kalziumreiches Trink- oder Mineralwasser und mit Kalzium angereicherte Sojamilch achten. Zudem verlieren VeganerInnen weniger Kalzium.

Noch ein Wort zu dem so oft gelobten „Kalziumspender“ Milch. Milch hat in breiten Bevölkerungskreisen entgegen der realen wissenschaftlichen Fakten durch gezielte Falschinformationen noch den Ruf eines gesunden Getränks. Die mit Milch verbundenen extremen Tierquälereien erkennt man zudem nicht auf den ersten Blick. Für mich ist Milch eines der gesundheitsschädlichsten, tierquälerischsten und grausamsten Produkte überhaupt. Dies habe ich an anderer Stelle bereits ausführlich erklärt.

Der Eisengehalt im Organismus ist nicht primär abhängig von der Eisenaufnahme, sondern von den Verlusten (wie z. B. starken Blutungen, Menstruation bei der Frau). Gerade die hohe Aufnahme von Hämeisen aus Fleisch ist nach mehreren übereinstimmenden wissenschaftlichen Studien mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden. Die Resorption von Eisen aus pflanzlichen Quellen lässt sich zudem durch die gleichzeitige Aufnahme Vitamin C haltiger Getränke steigern.

Der Vitamin D Spiegel ist zu etwa 90% von der UV-Bestrahlung und der Aufnahme von Supplementen abhängig und hat nach entsprechenden Untersuchungen nur wenig mit der Ernährungsform zu tun. Der regelmässige Aufenthalt in der Sonne, ohne sich jedoch zu verbrennen, ist deshalb wichtig für die Vitamin D Bildung in der Haut durch UV-Strahlung. Auf die Wichtigkeit und die gesundheitsschützenden Wirkungen von Vitamin D im Organismus weisen mehrere Studien hin. In den Wintermonaten ist durchaus ein Vitamin D Nahrungsergänzungspräparat zu empfehlen, insbesondere in nördlichen Breiten und bei dunkler Hautfarbe.

Bei veganer Ernährung ist einzig die zusätzliche Aufnahme von Vitamin B12 durch angereicherte Lebensmittel und mit Hilfe eines Nahrungsergänzungsmittels unbedingt notwendig.

Die Behauptung, dass Kleinkinder und Schwangere besser keine vegane Ernährung zu sich nehmen, entspricht weder dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis, noch den Empfehlungen renommierter Ärzte- und Ernährungsorganisationen und auch nicht den positiven Erfahrungen vieler Eltern von veganen Kindern. Die weltgrösste Gesellschaft für Ernährung (American Dietetic Association, Amerikanische Gesellschaft für Ernährung) publizierte 2009 in ihrem Fachjournal: „Die American Dietetic Association ist der Ansicht, dass eine gut geplante vegetarische Ernährungsform, einschliesslich komplett vegetarischer oder veganer Ernährungsformen, gesund sind, ernährungsphysiologisch bedarfsgerecht sind und gesundheitliche Vorteile in der Prävention und der Behandlung bestimmter Krankheiten bieten. Eine gut geplante vegetarische Ernährungsform ist für Menschen aller Altersstufen geeignet, eingeschlossen Schwangere, Stillende, Kleinkinder, Kinder, Heranwachsende und Sportler.“

Noch einige Anmerkungen zu einigen „kritischen“ Nährstoffen bei allen Ernährungsformen:

Folsäure: Die zusätzliche Gabe bei Schwangeren und stillenden Frauen wird bei jeder Ernährungsform empfohlen, weil ein höherer Bedarf besteht und um eine Unterversorgung des Kindes mit nachfolgenden Schäden sicher zu verhüten.

Omega-3-Fettsäuren: Bei jeder Ernährungsform gibt es sehr oft ein Missverhältnis von omega-6-Fettsäuren zu omega-3-Fettsäuren, auch bei Veganern! Ein Missverhältnis kann ernsthafte gesundheitliche Störungen verursachen, wie zum Beispiel die Entzündungsanfälligkeit des Körpers steigern, das Gefässsystem bis hin zur Arteriosklerose schädigen und auch Herzinfarkte verursachen. Deshalb sollte man besonders auf die bevorzugte Aufnahme von omega-3-Fettsäuren achten, also bevorzugt Leinöl und Rapsöl verwenden, hingegen Sonnenblumenöl, Distelöl und Maisöl meiden.

Bitte beachten Sie auf meiner Homepage www.ProVegan.info die Zusammenfassung über Nährstoffe, Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe, wo Sie auch eine Auflistung wissenschaftlicher Studien mit Bezug zur veganen Ernährung finden. Oder lesen Sie das Buch „Vegane Ernährung“ von Dr. Gill Langley aus dem Echoverlag. Dort ist auch beschrieben, was Sie bei Kindern und Schwangerschaften besonders beachten sollten, nicht nur bei veganer Ernährung.

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