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«Die Bewegung für palästinensische Rechte und Selbstbestimmung hat schmerzlich wenig erreicht. Darüber zu sprechen, ist kein Defätismus. Und ob sich gewisse andere dabei die Hände reiben, interessiert mich nicht. Wir haben das gesellschaftliche Bewusstsein verändern können, aber nicht das Handeln der politischen Klasse. Und vieles ist statt besser schlimmer geworden. Die Menschen in Gaza verbringen nun schon den dritten Sommer in ofenheißen Zelten, umgeben von Trümmern und Unrat, zusammengedrängt auf einem Drittel ihres einstigen Territoriums. Israel verweigert alles, was Erleichterung verschaffen könnte, und die deutsche Politik steht – grosso modo – an Israels Seite.»

«Die Mehrheit der Deutschen lehnt Israels Unrechtspolitik ab, ein passiver Dissens, ohne Bewusstsein für die deutsche – und damit die eigene – Mitverantwortung. Die Zahl prominenter Stimmen, die das Massensterben und die Strangulierung palästinensischen Lebens als Genozid verurteilen, ist kaum gestiegen, obwohl sich alle relevanten internationalen Menschenrechtsorganisationen nach und nach dem Befund Völkermord anschlossen.»

«In immer schnellerer Folge treffen alarmierende Aufrufe israelischer Menschenrechtsaktivisten ein, die mit den Worten beginnen: „Urgent call to the international community …“ Jeder neue Appell, Siedlerterror und Armeegewalt im Westjordanland Einhalt zu gebieten, fällt wie Flaschenpost in ein Meer der Teilnahmslosigkeit. Als Deutsche, als Europäerin sitzt man da und schämt sich stellvertretend für die Untätigkeit derer, die handeln könnten.»

«Am schwersten zu ertragen ist die dreist auftretende Deutsch-Dummheit, wie jüngst in Gestalt der CDU-Generalin Franziska Hoppermann, die ohne jegliche Expertise in der Sache trötet, für ihre Partei existiere kein Völkermord in Gaza.»

«Die Dummdreisten können einfach losbehaupten, sie ficht kein Zweifel an, denn sie spüren nicht, wie klein sie selbst sind gegenüber der Größe des Leids, über das sie wegschwadronieren.»

«In Mut- und Tatenlosigkeit zu versinken, ist keine Option. Aber es scheint Zeit für einen kollektiven Reflexionsprozess und für neue Strategien.»

https://taz.de/Krieg-in-Nahost/!6203427/