Ein internationales Konsortium aus 64 Expertinnen und Experten von 72 Institutionen auf fünf Kontinenten hat mit zwei umfassenden Konsensus- und Policy-Reports einen wissenschaftlich fundierten Fahrplan zur Bewältigung der global eskalierenden Gesundheitskrise vorgestellt.
Im Zentrum steht der sogenannte HEAL-Ansatz („Healthy Eating & Active Living“): eine Kombination aus vollwertiger, überwiegend pflanzlicher (vegetarisch-veganer) Ernährung sowie täglicher körperlicher Aktivität und aktiver Lebensführung als grundlegender Präventions- und Gesundheitsstandard.
Die Autorinnen und Autoren sehen darin nicht lediglich eine ergänzende Lebensstil-Empfehlung, sondern einen dringend notwendigen systemischen Wandel im Gesundheitswesen. Angesichts weltweit zunehmender chronischer Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Adipositas und Krebs fordern sie eine klare Verschiebung von einer primär krankheits- und medikamentenorientierten Medizin hin zu einer präventions- und Personen-/Patientenorientierten Gesundheitsstrategie.
Besondere Aufmerksamkeit widmen die Reports auch der Gesundheitsbildung:
Gesundheitskompetenz müsse bereits im Kindesalter strukturell verankert werden — von der Primarbildung bis hin zu Universitäten und medizinischen Ausbildungsinstitutionen. Ernährung, Bewegung und Lebensstilmedizin dürften nicht länger Randthemen bleiben, sondern müssten zu einem integralen Bestandteil moderner Gesundheits- und Bildungssysteme und daher auch curricular verankert werden.
Darüber hinaus sprechen sich die Expertinnen und Experten ausdrücklich für eine beschleunigte Entwicklung human-relevanter Forschungsmethoden und eine schrittweise Abkehr von Tierversuchen aus. Die Berichte verweisen hierbei auf die hohen Misserfolgsraten tierexperimentell getesteter Wirkstoffe bei der Übertragbarkeit auf den Menschen.
Besonders bemerkenswert ist die interdisziplinäre Breite des Projekts:
Beteiligt sind Fachleute aus Public Health, Medizin, Ernährungswissenschaft, Sportwissenschaft, Präventionsmedizin, Bildungswissenschaft und human-relevanter Forschung.
Die Initiatorin der Reports, Prof. Dr. Katharina Wirnitzer (PH Tirol/Universität Innsbruck/ CCCTIM, Charité Universitätsmedizin Berlin), betont:
„Nachhaltige Gesundheit ist zwar kostenlos, lässt sich aber weder herunterladen noch verordnen — sie muss täglich gelebt werden.“
Die beiden Veröffentlichungen verstehen sich nicht nur als wissenschaftliche Bestandsaufnahme, sondern ausdrücklich auch als politischer und gesellschaftlicher Handlungsaufruf.
Originalpublikationen:
- Toward a roadmap for addressing today’s health dilemma – The 101-statement consensus report
https://doi.org/10.3389/fnut.2025.1676080 - Conquering today’s health paradox with the power of HEAL – an expert consensus report plus research priorities and policymaker roadmap
https://doi.org/10.3389/fpubh.2026.1695757
