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Dr. med. Henrich
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Sehr geehrter Herr Dr. Ernst Walter Henrich, sehr geehrter Herr Raphael Lüthy, um vegan zu leben, bin ich nicht radikal genug und zu wenig konsequent. Ich bedanke mich sehr herzlich für inspirierende vegane Rezepte, von denen ich auch sicher einige mit Freunden weiterhin ausprobieren werde, aber insgesamt ist es ein Aufwand, den ich momentan nicht zu betreiben bereit bin. Als Kind haben mich meine Eltern als Rohköstler ernährt und es aufgegeben, als es immer schwerer wurde, diese Ernährungsweise konsequent aufrecht zu erhalten, da ich durch Freunde und Kindergeburtstage, bei denen ich entweder nichts essen konnte oder mir mein eigenes Essen mitbringen musste, immer deren Kontakt, Einfluss, aber auch Unverständnis und Intoleranz vieler Eltern ausgesetzt war und meine Eltern mich nicht zu einer Aussenseiterin machen wollten. Eine solche Ernährungsweise erschwert ebenso wie die vegane einen (meinen) geregelten Tagesablauf, weil grundsätzlich mehr Zeit für Essen aufgewendet werden muss. Auch bin ich zu sehr auf mich selbst fokussiert. Würde ich mich vegan ernähren, dann in erster Linie meiner Gesundheit wegen und nicht aus ethischen Gründen.

Meine Antwort:

Hallo Frau S………..,

um vegan zu leben, braucht man nicht radikal zu sein. Aber um nicht vegan zu leben, muss man schon sehr radikal sein.

Denn es ist sehr radikal, dabei mitzumachen, dass der Konsum von Fleisch, Milch und Eiern für mindestens 51 % der weltweiten von Menschen ausgelösten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist und somit den Klimawandel bzw. die Klimakatastrophe auslöst und damit die Existenzgrundlagen nachfolgender Generationen zerstört.

Denn es ist sehr radikal, dabei mitzumachen, dass jeder Tod eines Tieres und die systemimmanente Tierquälerei in der Tierhaltung und Schlachtung wegen eines banalen ungesunden Geschmackerlebnisses ein unerträgliches und zum Himmel schreiendes Unrecht darstellt.

Denn es ist sehr radikal, dabei mitzumachen, dass täglich ca. 40.000 Kinder an Hunger sterben, während ca. 40 % der weltweit gefangenen Fische, ca. 50 % der weltweiten Getreideernte und ca. 90 % der weltweiten Sojaernte an die „Nutztiere“ der Fleisch- und Milchindustrie verfüttert werden, was zum grossen Teil sogar aus den „Hungerländern“ stammt. (80 % der hungernden Kinder leben in Ländern, die einen Nahrungsüberschuss produzieren, doch die Kinder bleiben hungrig und verhungern, weil der Getreideüberschuss an Tiere verfüttert bzw. exportiert wird.)

Mit den besten Grüssen

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