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Offensichtlich befindet sich der „Ex-Primar“ nicht auf dem letzten Stand der Wissenschaft oder verfolgt die Interessen der Lebensmittelindustrie. Die von Pittschieler geforderte Beifütterung ab der 17. Lebenswoche widerspricht den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), wonach Kinder ein halbes Jahr lang ausschliesslich gestillt werden sollten. Das alleine ist schon ein starkes Stück!

Die Behauptung von Pittschieler, dass die Eisendepots zwischen dem 4. und 5. Monat durch Gabe von Fleisch aufgefüllt werden müssten, ist haarsträubend – weil absurd. Denn das Eisen aus der Muttermilch wird besonders gut vom Baby resorbiert. Während aus Muttermilch etwa 50% des Eisens aufgenommen wird, wird es aus anderer Nahrung nur zu etwa 5% resorbiert. Deshalb überraschen die Studien auch nicht, die belegen, dass die Kinder, denen Fleischbrei zugefüttert wurde, viel weniger Eisen im Blut haben als Vergleichsgruppen ohne Beifütterung von Fleisch. Komprimiert nachzulesen in einem Artikel der WELT von 2010: http://www.welt.de/gesundheit/article8600541/Studie-empfiehlt-fuer-Babys-Fleisch-und-schuert-Angst.html

Sein fehlendes Fachwissen oder die Verfolgung einseitiger Interessen beweist Pittschieler letztlich auch durch die völlig unqualifizierte Äusserung, dass eine vegane Ernährung des Kindes „fast kriminell“ sei. Das Gegenteil entspricht der Wahrheit und dem Stand der Ernährungswissenschaften! Er sollte eigentlich die Studien spanischer Universitäten kennen, die belegen, wie stark die Giftstoffbelastungen des Fisches die geistige Entwicklung gerade von Kindern beeinträchtigen. Er sollte eigentlich die Studien kennen, in denen die Kuhmilch für Magen-Darm-Blutungen bei Kindern verantwortlich gemacht wird. Er sollte wissen, dass Kuhmilch eine der Hauptursachen für Toxinbelastungen des Menschen darstellt. Er sollte wissen, dass die Hormone in der Milch (Schwangerschaftshormone, Wachstumshormone usw.) für eine Vielzahl von Erkrankungen beim Menschen (wie Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Osteoporose usw.) verantwortlich gemacht werden. Und er sollte wissen, dass die weltweit grösste Ernährungsorganisation der Welt, die ADA (American Dietetic Association, Amerikanische Gesellschaft für Ernährung) mit über 70.000 Fachleuten als Mitglieder, die vegane und vegetarische Ernährung für jedes Lebensalter als gesund empfiehlt. In einem Positionspapier von 2003 heißt es u. a.:

„Gut geplante vegane und andere Formen der vegetarischen Ernährung sind für alle Phasen des Lebenszyklus geeignet, einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, frühe und spätere Kindheit und Adoleszenz. Vegetarische Ernährungsformen bieten eine Reihe von Vorteilen.“

Im Juli 2009 veröffentlichte die ADA in der Zeitschrift „Journal of the American Dietetic Association“ zum wiederholten Male ihre offizielle Grundhaltung zu vegetarischen Ernährungsformen inklusive veganer Ernährung:

„Die American Dietetic Association ist der Ansicht, dass eine gut geplante vegetarische Ernährungsform, einschließlich komplett vegetarischer oder veganer Ernährungsformen, gesund sind, ernährungsphysiologisch bedarfsgerecht sind und gesundheitliche Vorteile in der Prävention und der Behandlung bestimmter Krankheiten bieten. Eine gut geplante vegetarische Ernährungsform ist für Menschen aller Altersstufen geeignet, eingeschlossen Schwangere, Stillende, Kleinkinder, Kinder, Heranwachsende und Sportler.“

Die PCRM („The Physicians’ Committee for Responsible Medicine“, Ärztekommission für verantwortungsbewusste Medizin) ist eine gemeinnützige Organisation, die präventive Medizin fördert, klinische Forschung durchführt und höhere Standards für Ethik und Effizienz in der Forschung fördert. Die PCRM empfiehlt die vegane Ernährung als die gesündeste Ernährung und begründet dies auch logisch nachvollziehbar:

„Vegane Ernährung, die keine tierlichen Produkte enthält, ist sogar gesünder als vegetarische Ernährung. Vegane Ernährung enthält kein Cholesterin und sogar weniger Fett, gesättigte Fettsäuren und Kalorien als vegetarische Ernährung, weil sie keine Milchprodukte und Eier enthält. Die wissenschaftliche Forschung zeigt, dass die gesundheitlichen Vorteile zunehmen, wenn die Menge der Nahrung aus tierlichen Quellen in der Ernährung verringert wird, was die vegane Ernährung zur gesündesten insgesamt macht.“

Wenn man alle diese Fakten liest und mit den absurden Behauptungen Pittschielers vergleicht, dann stellt man sich automatisch die Frage, wer denn wirklich „fast kriminell“ Behauptungen aufstellt. Denn wenn ein Kinderarzt solche Behauptungen aufstellt, dann geniessen diese bei Eltern eine hohe Glaubwürdigkeit. Dieser Verantwortung sollte jeder Arzt gerecht werden. Auch Klaus Pittschieler.

Dr. med. Ernst Walter Henrich

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