«Die deutschen Schülerinnen und Schüler schneiden in der aktuellen Pisa-Studie so schlecht ab wie noch nie. Die Ergebnisse der internationalen Bildungserhebung sind sogar noch schlechter als jene aus dem Jahr 2000, die hierzulande den „Pisa-Schock“ auslösten.»
«In der Studie, die am Dienstag veröffentlicht wurde, heisst es: „In allen drei untersuchten Kerndomänen, Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik, erreichen die 15-jährigen Schülerinnen und Schüler in Deutschland die geringsten Kompetenzwerte seit Beginn der Pisa-Erhebungen.“»
«Es sei ein „eindeutiger Abwärtstrend“ zu sehen, sagte der Leiter der Pisa-Studie in Deutschland, Samuel Greiff. „Die Kompetenzverluste beschränken sich nicht auf bestimmte Leistungsbereiche oder auf einzelne Gruppen von Schülerinnen und Schülern, sondern sind über das gesamte Leistungsspektrum zu beobachten.“»
Anmerkung:
Der neue Befund ist tatsächlich drastisch – und noch etwas deutlicher, als es der Handelsblatt-Ausschnitt erkennen lässt. Es handelt sich um PISA 2025, deren Ergebnisse heute, am 8. September 2026, veröffentlicht wurden. Deutschland erreicht 486 Punkte in Naturwissenschaften, 465 im Lesen und 464 in Mathematik; alle drei Werte sind die niedrigsten seit Beginn der deutschen PISA-Teilnahme im Jahr 2000. Rund ein Drittel der 15-Jährigen verfehlt beim Lesen und in Mathematik das grundlegende Kompetenzniveau, in Naturwissenschaften etwa ein Viertel. Rund 20 Prozent verfügen in keinem der drei Bereiche über ausreichende Basiskompetenzen.
Meine grundsätzliche These – dass es sich nicht bloss um einen einmaligen Corona-Effekt, sondern um einen längerfristigen Leistungsabfall handelt – wird durch die neuen Daten sehr deutlich gestützt. Der Abwärtstrend läuft laut Studienleitung seit ungefähr vielen Jahren; ausserdem betrifft er nicht nur leistungsschwache Schüler. Auch der Anteil der Spitzenleistungen ist zurückgegangen. Seit 2015 hat sich der Anteil der Jugendlichen unterhalb des Grundkompetenzniveaus in Lesen und Mathematik ungefähr verdoppelt.
Besonders interessant ist, was PISA 2025 selbst als strukturelles Problem herausarbeitet. Der mit Abstand stärkste untersuchte Zusammenhang besteht in Deutschland mit dem sozioökonomischen Hintergrund. Nur etwa 2 % der sozial benachteiligten Jugendlichen gehören zu den leistungsstarken Schülern, gegenüber etwa 25 % der sozial privilegierten. Dieser Zusammenhang ist laut Studienleitung ungefähr dreimal so stark wie in Kanada.
Das ist deshalb wichtig, weil es die einfache Erklärung „Die Pädagogik hat Leistung abgeschafft“ zwar nicht widerlegt, aber erheblich erweitert. Das deutsche System hat offenbar gleichzeitig Probleme mit Grundkompetenzen, früher Sprachförderung, sozialer Selektion, der Diagnose von Lernrückständen und der gezielten Unterstützung belasteter Schulen. Genau dort setzt auch der Massnahmenkatalog der deutschen PISA-Forscher an: frühe Diagnostik und verbindliche Förderung bereits vor der Schule, regelmässige objektive Lernstandsmessungen und eine stärkere Ausstattung besonders belasteter Schulen.
Das Beunruhigende an PISA 2025 ist nicht lediglich, dass Deutschland ein paar Plätze in einer Rangliste verloren hat. Es ist, dass fundamentale Fähigkeiten tatsächlich verschwinden. Ein Drittel der 15-Jährigen ohne hinreichende Basiskompetenz in Mathematik und Lesen und ein Fünftel ohne ausreichende Basiskompetenzen in allen drei Testfeldern sind keine Frage pädagogischer Geschmacksvorlieben mehr. Das ist ein ernstes Problem für Berufsausbildung, Studium, Produktivität und gesellschaftliche Teilhabe.
Das alles wundert mich nicht, denn es hat sich genau so entwickelt, wie ich es vorhergesagt hatte. Das ganze Dilemma begann bereits während meiner Schulzeit. Damals zählte zwar noch die Leistung, doch Ahnungslosigkeit und Faulheit liessen sich bereits mit Gefasel als «Beteiligung am Unterricht» kaschieren. Schon zu meiner Zeit wurde im Unterricht häufig sinnfrei diskutiert, ohne dass sich die Schüler zuvor das notwendige Wissen angeeignet hatten.
Ich halte Frontalunterricht zur intensiven Wissensvermittlung deshalb durchaus für sinnvoll. Eine fundierte Diskussion setzt schliesslich ein gewisses Basiswissen voraus.
Alles, was ich nach meiner Schulzeit aus dem pädagogischen Bereich erfuhr, vermittelte mir den Eindruck, dass sich die Situation an den Schulen zunehmend verschlechterte. Eine kleine Auswahl:
- Universitäten berichteten, dass viele Abiturienten nicht mehr studierfähig seien.
- Gleichzeitig erlebten wir eine Inflation von Einser-Abituren. Zu meiner Zeit war ein Einser-Abitur noch eine wirklich grossartige Leistung. Heute werden Lehrer mitunter sogar verklagt, wenn sie keine guten Noten vergeben.
- Aus Grundschulen wurde mir berichtet, dass Kinder teilweise so schreiben können, wie sie wollen, und Fehler nicht mehr berichtigt werden.
- Bei den Bundesjugendspielen durften nach meinen Informationen – zumindest an einzelnen Schulen – keine Leistungen mehr gemessen werden, weil dies schlechtere Sportler benachteiligen würde. Doch wo bleibt dann der Anreiz zu trainieren?
- Selbst wenn Kinder Sport treiben wollen, ist dies vielerorts nur noch in Vereinen und zu festgelegten Trainingszeiten möglich. Immer wenn ich meine Heimatstadt in Deutschland besuche, stelle ich fest, dass mittlerweile sämtliche Sportplätze eingezäunt sind. Als Kind und Jugendlicher habe ich auf diesen Plätzen fast täglich trainiert. Das hat mein Leben stark positiv geprägt.
- Mangelnde Bewegung und die weitverbreitete katastrophale Ernährung führen mittlerweile dazu, dass immer mehr Kinder übergewichtig und krank werden. Das hat auch erhebliche Auswirkungen auf das Gehirn und damit auf die geistige Leistungsfähigkeit. Was Politik, Pädagogen und Eltern den Kindern damit antun, ist für mich schlicht widerlich.
- Wenn man dann noch die Gewalt an manchen Schulen betrachtet, vor der selbst viele Lehrer Angst haben, braucht man sich nicht zu wundern, dass zahlreiche Schulen ihren eigentlichen Aufgaben kaum oder gar nicht mehr nachkommen können.
