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Fallstudie: Die Aufnahme von Energie und Makronährstoffen einer veganen Radfahrerin während eines 8 Tage dauernden Etappenrennens

32 Jahre nachdem die rein pflanzliche (vegane) Ernährung 1982 erstmals in der Wissenschaftsliteratur als optimale Ernährungsstrategie für Ausdauersportler empfohlen wurde, speziell Läufer, Radfahrer und Triathleten, veröffentlichte die Tiroler Sportwissenschaftlerin Dr. Katharina Wirnitzer nun die weltweit 1. vegane Ernährungstaktik im Ausdauerleistungssport (Januar 2014) in einem US-Wissenschafts-Journal (pdf-Datei frei verfügbar zum Download unter): http://www.change2v.com/wp-content/uploads/2012/08/bumc0027-0042.pdf

Abstract. Diese Fallstudie beschreibt die Nahrungsaufnahme eines veganen Mountainbikers während der Transalp Challenge 2004 (Höhendifferenz gesamt: 22.500 m, Distanz gesamt: 662 km), und verdeutlicht dass eine aggressive Ernährungstaktik dem Athleten erlaubt konkurrenzfähig zu sein. Die Athletin finishte dieses 8tägige Event in 42 Stunden (Rang 16 in der Kategorie Mixed), wobei ihre mittlere Leistungsfähigkeit während 8 Wettkampftagen bei 80 % der maximalen Herzfrequenz im Labor betrug. 65 % der gesamten Rennzeit (über 27 Stunden) fuhr die Mountainbikerin bei Herzfrequenzen zwischen 80 – 100 % der maximalen Laborwerte, wobei nur etwa 35 % der gesamten Wettkampfzeit (etwa 15 Stunden) bei Belastungsintensitäten unter 80 % der maximalen Laborleistung geleistet wurden.

Hintergrund. Mountainbike Marathon Etappen-Rennen sind sehr populär, mit Events wie z. B. der Transalp Challenge, die tausende Teilnehmer anlockt, Amateure wie Profis gleichermaßen. Nicht nur die Anzahl der Frauen in solchen Wettbewerben steigt stetig an, sondern auch die Anzahl veganer Radsportler. Allerding ist es schwierig eine Gruppe veganer Radfahrer (größere Stichprobenzahl) zu finden, die am selben Wettkampf teilnehmen. Im Gegensatz zur Meinung, dass die vegane Ernährung nicht optimal für Athleten sei, wird hier ein fall einer Frau präsentiert, die ein äußerst schwieriges Etappen-Rennen erfolgreich finishten während sie einer veganen Ernährung folgte.

Fallbeschreibung. Der weibliche Proband war eine sehr gut ausdauertrainierte Amateur-Mountainbikerin (30 Jahre, vegan seit 1999, 16 Jahre Erfahrung im Mountainbikesport, inklusive Teilnahme an Ultramarathons und Etappenrennen, etwa 1 Jahr Vorbereitung 25 Stunden Training pro Woche). Sie nahm 2004 zum zweiten Mal an der Transalp Challenge teil, nachdem sie dieses 8tägige Mountainbike-Etappen-Rennen 2003 finishte.

Der Ernährungsplan der veganen Athletin wurde individuell auf Basis der aktuellen sportspezifischen ernährungswissenschaftlichen Empfehlungen berechnet und basierend auf der Wettkampferfahrung der Athletin entwickelt. Hauptziele der Ernährungstaktik waren die Wiederauffüllung von Energie (ca. 6 MJ), vor allem durch eine verstärkte Zufuhr von Kohlenhydraten (70 – 75 g/h) und Flüssigkeit (2 – 4 L) während des Rennens. Darüber hinaus war die Ernährungstaktik so konzipiert, dass das Wettkampfziel, die Top 20 zu erreichen, realistisch war. Die gesamte Nahrungsaufnahme wurde während 24 Stunden aufgezeichnet.

Obwohl die Mountainbikerin ein ständiges Sättigungsgefühl verspürte, versuchte sie permanent zu essen und zu trinken, um die Ziele der Ernährungstaktik zu erreichen und genug Energie, Kohlenhydrate und Flüssigkeit aufzunehmen und so optimale Regeneration zu gewährleisten. Um maximale Regeneration zu erreichen, wurde die Nachtruhe strikt eingehalten.

Während dem Rennen kam der Großteil der Energie von energiedichten Supplementen, mit flüssigen Energiegels (35 MJ) als der Hauptenergiequelle (51 % der Gesamtenergie) und Hauptlieferant für Kohlenhydrate (54 %). Die Flüssigkeitszufuhr während des Rennens wurde ausschließlich durch kohlenhydratreiche isotonische Getränke, die Rehydration ausschließlich mit Wasser abgedeckt.

Diskussion. Die Athletin war in der Lage, den Ernährungsplan nicht nur in die Wettkampfsituation zu implementieren, sondern die Ernährungstaktik im Hinblick auf Energie- und Flüssigkeitszufuhr (stabile Körpermasse während 8 Tagen) auch erfolgreich umzusetzen. Die hohe Energieaufnahme von 24,6 MJ/Tag (83 % davon aus Kohlenhydraten, 7,5 % aus Protein und 9 % aus Fett) erklärt sich durch die off-road Charakteristik von Mountainbike-Rennen, mit zusätzlich hoher Belastungsintensität, hohen Temperaturen und gleichzeitiger Trockenheit. Hier waren energiedichte Flüssigkeiten wichtigster Lieferant von Energie (80 %) und Kohlenhydraten (84 %). Die Kohlenhydrataufnahme war nicht nur in völliger Übereinstimmung mit den aktuellen Ernährungsempfehlungen für Radsportler auf Etappen-Rennen, sondern überstieg diese sogar um das zweifache. Ebenso war ihre Energiezufuhr mit 1,65 MJ/h deutlich über der Empfehlung für Radsportler. Die tägliche Proteinaufnahme war deutlich höher als empfohlen, dennoch ist der Anteil an der Gesamtenergie niedriger als angenommen, da der Proteinanteil in den Supplementen der Wettkampfnahrung (zur Schonung des Magen-Darm-Traktes im Wettkampf) nur minimal war.

Laut der ADA 2003 gibt es ausreichend Beweise aus Labor- und Feldforschung, dass eine angemessen geplante vegane Ernährung die Empfehlungen aller Nährstoffe für Wettkampfsportler erfüllen kann. Die vorliegenden Ergebnisse diese Fallstudie bestätigen dies, und darüber hinaus, dass eine gut geplante und durchgeführte vegane Ernährung verträglich mit dem Ultra-Ausdauer Mountainbikesport ist.

In Anbetracht des Mangels an Wissenschaftsliteratur zu veganer Ernährung im Ausdauersport, hebt diese Fallstudie deutlich einerseits die Bedeutung von Kohlehydraten zur Deckung des Energiebedarfs hervor, und zeigt andererseits, dass die vegane Ernährung für sportliche Höchstleistungen gut geeignet ist.

Diese Fallstudie gilt als erster Grundstein – darauf gilt es nun aufzubauen.

Um fundierte wissenschaftliche Aussage treffen und Empfehlungen für Sportler geben zu können, ist eine größere Stichprobenzahl an Probanden nötig. Daher plant Dr. Wirnitzer aktuell bereits die nächste Studie: eine interdisziplinäre (Medizin, Ernährungswissenschaften, Sportwissenschaften) und internationale (Forscher aus 4 Nationen: Belgien, Deutschland, Schweiz, Österreich) Studie. Diese vergleichende Laufstudie zielt darauf ab, ein breites Fundament für wissenschaftliche Aussagen und verdichtete Beweislage zu Gesundheitsstatus und sportlicher Leistungsfähigkeit bei Mischkost, sowie vegetarischer und veganer Ernährung zu schaffen.

Dr. rer. nat. Katharina Wirnitzer studierte Physik, Sportwissenschaften und Ethik, und ist Dozentin für Sportwissenschaften an der Pädagogischen Hochschule Tirol. Die leidenschaftliche Outdoor-Sportlerin forschte zur Mountainbike Transalp Challenge und war damit die weltweit erste, die i) einen Mountainbike-Marathon, ii) ein Mountainbike-Etappen-Rennen, iii) weibliche Mountainbike-Athleten auf Etappen-Rennen, und iv) eine rein pflanzliche Ernährungstaktik im mehrtägigen Ausdauerleistungssport untersuchte. Sie promovierte 2009 und veröffentlichte gleichzeitig ihr Fachbuch über extreme mehrtägige Ausdauerbelastungen im Mountainbike-Sport (bikeeXtreme – Performance determining factors and vegan nutrition pattern to successfully complete the Transalp Challenge). Die Buchautorin und Wissenschaftspublizistin hat sich auf vegane Ernährung im Sport spezialisiert.

Dr. Katharina Wirnitzer bietet auch Veranstaltungen mit Rad und / oder Hund für VeganerInnen an:

http://www.adventurev.com/angebot/
http://www.adventurev.com/vdd/
http://www.adventurev.com/vhd/

http://t3-org1.meduniwien.ac.at/index.php?id=5729

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