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Die Studie untersucht nicht allgemein, ob vegane Ernährung gesund ist, sondern einen möglichen Grund dafür, weshalb eine fettarme vegane Ernährung in einem früheren Versuch zu Gewichtsverlust geführt hatte. Das Ergebnis: Die vegane Kost senkte die sogenannte Energiedichte der Nahrung deutlich. Die Teilnehmenden konnten mengenmässig gleich viel essen, nahmen dabei aber weniger Kalorien auf. Das könnte einen Teil des beobachteten Gewichtsverlusts erklären.

Die Energiedichte gibt an, wie viele Kilokalorien in einem Gramm Nahrung stecken. Wasser- und ballaststoffreiche Lebensmittel wie Gemüse, Obst und viele Hülsenfrüchte haben meist eine niedrige Energiedichte: Sie liefern relativ viel Volumen bei vergleichsweise wenigen Kalorien. Viele Tierprodukte und viele Süssigkeiten sind dagegen besonders energiedicht.

Die Grundidee lautet daher: Eine grosse, sättigende Mahlzeit kann je nach Zusammensetzung sehr unterschiedlich viele Kalorien enthalten. Die untersuchte Ernährung setzte vor allem auf Gemüse, Obst, Getreide und Hülsenfrüchte und vermied tierliche Produkte sowie zugesetzte Fette. Sie war mit rund 10 Prozent der Energie aus Fett ausgesprochen fettarm.

Es handelt sich um eine nachträgliche Sekundäranalyse eines bereits zuvor veröffentlichten, randomisierten klinischen Versuchs. Insgesamt wurden 244 Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas zufällig auf zwei Gruppen verteilt:

  • 122 sollten 16 Wochen lang eine fettarme vegane Ernährung ohne Kalorienvorgabe einhalten.
  • 122 sollten ihre bisherige Ernährung nicht verändern.

Die vegane Gruppe erhielt wöchentliche Schulungen und Kochdemonstrationen; die Mahlzeiten wurden jedoch nicht bereitgestellt. 223 Personen schlossen die Studie ab. Die Ernährung wurde anhand jeweils dreitägiger Ernährungsprotokolle zu Beginn und nach 16 Wochen erfasst. Das Durchschnittsalter betrug etwa 54 Jahre, und 87 Prozent der Teilnehmenden waren Frauen.

Die Energiedichte sank in der veganen Gruppe um etwa 30 Prozent, ungefähr von 1,1 auf 0,7 Kilokalorien pro Gramm. In der Kontrollgruppe veränderte sie sich praktisch nicht. Der Unterschied zwischen den Gruppen betrug rund 0,28 Kilokalorien pro Gramm.

Gleichzeitig blieb das gesamte Gewicht der täglich verzehrten Nahrung im Wesentlichen unverändert. Die Teilnehmenden der veganen Gruppe assen also nicht kleinere Mengen. Dennoch sank ihre selbst berichtete Energieaufnahme im Mittel um etwa 491 Kilokalorien pro Tag, gegenüber rund 134 Kilokalorien in der Kontrollgruppe. Der Unterschied zwischen den Gruppen lag bei ungefähr 357 Kilokalorien täglich.

Die Ernährungsumstellung bestand nicht nur im Weglassen von Fleisch, Milchprodukten und Eiern. Die vegane Gruppe ass unter anderem mehr Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte sowie weniger zugesetzte Fette, Nüsse und Süssigkeiten. Besonders der höhere Anteil von Gemüse und Hülsenfrüchten trug nach Einschätzung der Forschenden zur niedrigeren Energiedichte bei.

Im ursprünglichen klinischen Versuch hatte die vegane Gruppe innerhalb von 16 Wochen durchschnittlich 6,4 Kilogramm abgenommen, die Kontrollgruppe etwa 0,5 Kilogramm. Der Unterschied zwischen den Gruppen betrug damit rund 5,9 Kilogramm. Diese Gewichtsergebnisse stammen aus der ursprünglichen Hauptauswertung des Versuchs; die neue Studie versucht vor allem, einen möglichen Mechanismus dafür zu erklären.

Personen, bei denen die Energiedichte stärker sank, verloren tendenziell auch mehr Gewicht.

Eine Stärke ist die zufällige Zuteilung zu den Gruppen. Dadurch spricht einiges dafür, dass die konkret untersuchte Ernährungsintervention tatsächlich die Energiedichte und die Energieaufnahme senkte.

Die Studie unterstützt ein plausibles Prinzip: Viele wasser- und ballaststoffreiche Lebensmittel und wenig zugesetztes Fett können die Kaloriendichte von Mahlzeiten senken. Dadurch kann man sich mit einem ähnlichen Nahrungsvolumen satt essen und dennoch weniger Energie aufnehmen.

Sie zeigt aber nicht, dass jede vegane Ernährung automatisch eine niedrige Energiedichte besitzt oder zu Gewichtsverlust führt. Die untersuchte Kost war ausgesprochen fettarm, enthielt keine zugesetzten Fette und wurde durch regelmässige Schulungen begleitet. Auch vegane Lebensmittel können sehr energiedicht sein. Die angemessenste Schlussfolgerung lautet daher: Eine vollwertige, fettarme, gemüse- und hülsenfruchtreiche vegane Ernährung senkt bei Erwachsenen mit Übergewicht die Energiedichte und die spontane Kalorienaufnahme.

Referenz: Kahleova H, Znayenko-Miller T, Maracine C, Holubkov R, Barnard ND. Vegan Diets and Dietary Energy Density: A Secondary Analysis of a Randomized Clinical Trial. JAMA Netw Open. 2026;9(8):e2627483. doi:10.1001/jamanetworkopen.2026.27483