Die Studie untersucht, ob wildlebende Afrikanische Elefanten am Mount Elgon in Kenia gezielt Pflanzen und Mineralstoffe nutzen, um Krankheiten zu behandeln oder vorzubeugen – also eine Form tierischer Selbstmedikation („Zoopharmakognosie“).
Die Forscher befragten acht Angehörige der indigenen Sabaot-Gemeinschaft, darunter Wildhüter, Guides und Älteste, die die Elefanten seit jeweils mehr als 20 Jahren beobachten. Diese berichteten von 35 Pflanzenarten sowie vier Arten von Erde, Ton oder Mineralstoffen, die Elefanten auffällig oder gezielt aufnehmen. Bemerkenswert: 34 der insgesamt 39 genannten natürlichen Ressourcen werden auch in der traditionellen menschlichen Medizin verwendet.
Bei acht Pflanzenarten fanden die Autoren besonders deutliche Hinweise auf mögliche Selbstmedikation: Beobachter beschrieben beispielsweise, dass sichtbar kranke Elefanten diese Pflanzen gezielt und nur selten aufsuchten. Es gab zudem Berichte, wonach Muttertiere bestimmte Pflanzen an ihre Jungen weitergaben, möglicherweise zu gesundheitlichen Zwecken.
Die Beobachtungen sprechen dafür, dass Elefanten zwischen gewöhnlichem Futter und Pflanzen mit medizinischem Nutzen unterscheiden und solche Ressourcen gezielt einsetzen können. Das würde zu anderen Beobachtungen von Selbstmedikation bei Tieren wie Menschenaffen passen.
Die Studie beruht hauptsächlich auf Berichten erfahrener lokaler Beobachter und nicht auf kontrollierten Experimenten. Sie zeigt daher nicht, dass die Pflanzen tatsächlich Krankheiten der Elefanten heilen oder dass die Tiere ihre pharmakologische Wirkung bewusst verstehen. Die Autoren selbst sprechen entsprechend von putativer, also vermuteter, Selbstmedikation.
Kurz gesagt: Erfahrene Beobachter am Mount Elgon berichten, dass kranke Elefanten gezielt bestimmte Heilpflanzen und Mineralstoffe aufsuchen – viele davon werden auch von Menschen traditionell medizinisch verwendet. Das liefert interessante Hinweise auf eine erstaunlich komplexe „Naturapotheke“ der Elefanten.
Referenz: Schultz, F., Clark, T.O., Powles, C. et al. African elephants putatively self-medicate with medicinal plants in the Mount Elgon region, Kenya. Sci Rep 16, 28904 (2026). https://doi.org/10.1038/s41598-026-53610-4
