Die Studie von Xu et al. (2026) untersucht den Zusammenhang zwischen sogenannten „Forever Chemicals“ (PFAS) und biologischer Alterung. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei neuere PFAS-Verbindungen: PFNA (Perfluornonansäure) und PFSA/PFOSA. Die Forschenden fanden Hinweise darauf, dass diese Stoffe den Alterungsprozess auf zellulärer Ebene beschleunigen könnten – besonders bei Männern zwischen 50 und 64 Jahren.
PFAS sind künstlich hergestellte Chemikalien, die wegen ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften in vielen Produkten verwendet werden, zum Beispiel:
- beschichtete Pfannen
- Outdoor-Kleidung
- Fast-Food-Verpackungen
- Teppiche und Textilien
- Löschschäume
Sie werden „Forever Chemicals“ genannt, weil sie in Umwelt und Körper extrem langsam abgebaut werden.
Die Forscher wollten wissen, ob diese Stoffe nicht nur Krankheiten fördern, sondern auch das biologische Altern beschleunigen.
Die Studie analysierte Daten von 326 US-Amerikanern über 50 Jahren aus der NHANES-Gesundheitsstudie. Im Blut wurden PFAS-Konzentrationen gemessen. Zusätzlich untersuchten die Wissenschaftler sogenannte epigenetische Uhren.
Diese „Uhren“ messen nicht das tatsächliche Lebensalter, sondern das biologische Alter der Zellen anhand von DNA-Methylierungsmustern. Dadurch lässt sich abschätzen, ob ein Mensch biologisch schneller oder langsamer altert als durchschnittlich.
Die wichtigsten Ergebnisse
- PFNA war deutlich mit schnellerer biologischer Alterung verbunden
Menschen mit höheren PFNA-Werten zeigten stärkere Zeichen beschleunigter epigenetischer Alterung. Besonders betroffen waren Marker, die mit höherem Sterblichkeitsrisiko zusammenhängen („GrimAge“).
- Männer waren stärker betroffen als Frauen
Der Zusammenhang war vor allem bei Männern sichtbar. Bei Frauen fanden sich deutlich schwächere oder keine statistisch klaren Effekte.
Die Autoren vermuten dafür mehrere mögliche Gründe:
- Männer scheiden PFAS schlechter aus
- hormonelle Unterschiede
- Lebensstilfaktoren wie Rauchen oder Stoffwechselbelastung
- Besonders kritisch war die Altersgruppe 50–64 Jahre
Die stärksten Effekte traten bei Menschen im mittleren bis höheren Lebensalter auf. Die Forscher vermuten, dass diese Lebensphase biologisch besonders empfindlich gegenüber Umweltgiften ist.
- Nicht alle PFAS wirkten gleich
Interessanterweise waren die bekannten älteren PFAS wie PFOA oder PFOS in dieser Studie weniger stark mit Alterung verbunden. Die neueren Stoffe PFNA und PFSA/PFOSA zeigten dagegen deutlichere Effekte. Das ist wichtig, weil viele Hersteller ältere PFAS inzwischen durch neuere Varianten ersetzt haben – die möglicherweise ebenfalls gesundheitsschädlich sind.
Was bedeutet das praktisch?
Die Studie beweist nicht, dass PFAS direkt das Altern verursachen. Sie zeigt jedoch einen deutlichen statistischen Zusammenhang. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass bestimmte PFAS:
- Entzündungen fördern könnten
- die DNA-Reparatur beeinträchtigen
- den Zellstoffwechsel stören
- oxidativen Stress erhöhen
Dadurch könnten Alterungsprozesse beschleunigt werden.
Die Forscher fordern:
- strengere Regulierung neuer PFAS-Chemikalien
- bessere Überwachung der Belastung
- stärkere Berücksichtigung biologischer Alterungsmarker in Umweltmedizin und Risikobewertung
Was kann man selbst tun?
Eine vollständige Vermeidung ist kaum möglich, aber man kann die Belastung reduzieren:
- möglichst wenig Fast-Food-Verpackungen nutzen
- Lebensmittel nicht in beschichteten Verpackungen erhitzen
- PFAS-freie Outdoor-Textilien bevorzugen
- Trinkwasser filtern (geeignete Aktivkohle- oder Umkehrosmosefilter)
- stark verarbeitete Lebensmittel reduzieren
Fazit
Die Studie liefert neue Hinweise darauf, dass bestimmte moderne PFAS-Chemikalien mit beschleunigter biologischer Alterung zusammenhängen könnten. Besonders betroffen scheinen Männer im mittleren Alter zu sein. Die Arbeit verstärkt die Sorge, dass auch „neue“ PFAS keineswegs harmlos sind und langfristige Auswirkungen auf Gesundheit und Alterungsprozesse haben könnten.
Referenz: Xu Y-Q, Ding C, Zhang H, Gong Y, Hao D, Zhao X, Li K and Li X (2026) Emerging PFAS contaminants PFNA and PFSA amplify epigenetic aging: sex- and age-stratified risks in an aging population. Front. Aging 6:1722675. doi: 10.3389/fragi.2025.1722675
