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Die Studie untersucht, wie grosse Fleisch- und Milchunternehmen über Umwelt- und Klimaschutz kommunizieren. Im Fokus steht die Frage, ob diese Firmen tatsächlich nachhaltiger werden – oder ob sie ihre Umweltfreundlichkeit übertreiben bzw. vortäuschen („Greenwashing“).

  1. Viele Klimaversprechen sind vage oder unklar
    Viele Unternehmen geben öffentlich an, ihre Emissionen reduzieren zu wollen oder klimafreundlicher zu werden. Die Studie zeigt jedoch, dass diese Versprechen oft:
  • nicht konkret genug sind (z. B. ohne klare Ziele oder Zeitpläne),
  • schwer überprüfbar sind,
  • oder wichtige Emissionsquellen gar nicht berücksichtigen.
  1. Fokus auf positives Image statt auf tatsächliche Wirkung
    Die Unternehmen betonen häufig einzelne Massnahmen (z. B. effizientere Produktion oder kleinere Projekte), während sie:
  • den Grossteil ihrer Emissionen ausblenden,
  • oder weiterhin stark auf klimaschädliche Produktionsmodelle setzen.

Das erzeugt ein umweltfreundliches Image, ohne dass sich grundlegend etwas ändert.

  1. „Greenwashing“ ist weit verbreitet
    Die Studie kommt zu dem Schluss, dass viele Aussagen der untersuchten Firmen als Greenwashing gelten können. Das bedeutet:
  • Umweltfreundlichkeit wird übertrieben dargestellt,
  • negative Auswirkungen werden heruntergespielt,
  • Konsumenten werden dadurch in die Irre geführt.
  1. Tierliche Produkte sind ein grosser Klimafaktor
    Ein wichtiger Hintergrund: Fleisch- und Milchproduktion verursacht erhebliche Treibhausgasemissionen. Die Studie betont, dass echte Klimaschutzmassnahmen in diesem Sektor besonders wichtig wären – aktuell aber nicht ausreichend umgesetzt werden.

Fazit

Viele grosse Fleisch- und Milchunternehmen präsentieren sich als klimabewusst, ohne dass ihre Massnahmen dem Ausmass des Problems entsprechen. Die Studie fordert mehr:

  • Transparenz,
  • überprüfbare Ziele,
  • und echte Emissionsreduktionen statt blosser PR.

Zentrale Kritikpunkte im Detail

  1. Unvollständige Klimabilanzen (Scope-Problem)

Viele Unternehmen berücksichtigen nicht alle Emissionen:

  • Scope 1 und 2: direkte Emissionen + Energieverbrauch → oft angegeben
  • Scope 3: Emissionen entlang der Lieferkette (z. B. Tierhaltung, Futtermittel) → oft ausgeklammert oder verharmlost

Gerade bei Fleisch- und Milchprodukten entstehen der Grossteil der Emissionen in Scope 3. Wenn diese fehlen, wirken Klimaziele deutlich besser, als sie tatsächlich sind.

  1. Netto-Null-Ziele ohne Substanz

Viele Firmen versprechen „Netto-Null“ (Net Zero), aber:

  • keine klaren Zwischenziele (z. B. bis 2030),
  • keine konkreten Massnahmen,
  • starke Abhängigkeit von Kompensation (z. B. CO₂-Zertifikate statt echter Reduktion).

Das verschiebt das Problem in die Zukunft, statt Emissionen jetzt real zu senken.

  1. Betonung kleiner Verbesserungen („Cherry Picking“)

Unternehmen heben gezielt einzelne Massnahmen hervor, z. B.:

  • effizientere Verpackung,
  • geringerer Energieverbrauch in Fabriken,
  • Pilotprojekte für nachhaltige Landwirtschaft.

Diese Massnahmen betreffen oft nur einen kleinen Teil der Gesamtbelastung, werden aber stark beworben.

  1. Sprachliche Tricks und vage Aussagen

Typische Formulierungen:

  • „Wir setzen uns für Nachhaltigkeit ein“
  • „Wir unterstützen klimafreundliche Lösungen“
  • „Wir arbeiten an der Reduktion unserer Emissionen“

Das klingt gut, ist aber:

  • nicht messbar,
  • nicht überprüfbar,
  • oft ohne konkrete Verpflichtung.
  1. Kein Hinterfragen des Geschäftsmodells

Ein zentraler Punkt der Studie:

Die Unternehmen stellen nicht infrage, dass die Produktion von Fleisch und Milch an sich sehr emissionsintensiv ist.

Stattdessen:

  • Fokus auf Effizienzsteigerung,
  • aber keine Reduktion der Produktionsmenge.

Ergebnis: Selbst „verbesserte“ Systeme bleiben klimaschädlich.

Typische Greenwashing-Strategien

  1. „Wir sind Teil der Lösung“

Unternehmen positionieren sich als Klimaschützer:

Beispiel: Betonung von Partnerschaften mit Umweltinitiativen

Realität: Oft geringe oder keine tatsächliche Wirkung im Kerngeschäft.

  1. Kompensation statt Reduktion

„Wir gleichen unsere Emissionen aus“

Bedeutet häufig:

  • Kauf von CO₂-Zertifikaten,
  • statt weniger Emissionen zu verursachen.
  1. Selektive Datennutzung

Veröffentlichung nur „guter“ Kennzahlen

Problem:

  • wichtige Daten fehlen (z. B. Methanemissionen),
  • Gesamtbild wird verzerrt.
  1. „Nachhaltige Tierhaltung“ als Marketing

Werbung mit Begriffen wie „klimafreundlich produziert“

Kritik:

  • wissenschaftlich nicht haltbar,
  • da Tierhaltung grundsätzlich emissionsintensiv bleibt.
  1. Langfristige Versprechen ohne Druck

„Klimaneutral bis 2050“

Problem:

  • sehr weit in der Zukunft,
  • keine kurzfristige Verpflichtung,
  • schwer kontrollierbar.

Gesamtbewertung der Studie

Die Autorinnen kommen zu dem Schluss:

  • Greenwashing ist kein Einzelfall, sondern systematisch verbreitet.
  • Die Kommunikation vieler Unternehmen ist irreführend für Verbraucher.
  • Ohne strengere Regeln besteht die Gefahr, dass notwendige Klimaschutzmassnahmen verzögert werden.

Was die Studie implizit fordert

  • Klare, überprüfbare Klimaziele
  • Einbeziehung aller Emissionen (inkl. Scope 3)
  • Weniger Fokus auf PR, mehr auf reale Veränderungen
  • Politische Regulierung gegen irreführende Umweltwerbung

Referenz: Bach, M., Loy, L., Mach, K.J., McDermid, S.S. and Jacquet, J. (2026) ‘Environmental claims, climate promises, and “greenwashing” by meat and dairy companies’, PLOS Climate, 5(4), e0000773. Available at: https://doi.org/10.1371/journal.pclm.0000773