Die Studie untersucht, wie grosse Fleisch- und Milchunternehmen über Umwelt- und Klimaschutz kommunizieren. Im Fokus steht die Frage, ob diese Firmen tatsächlich nachhaltiger werden – oder ob sie ihre Umweltfreundlichkeit übertreiben bzw. vortäuschen („Greenwashing“).
- Viele Klimaversprechen sind vage oder unklar
Viele Unternehmen geben öffentlich an, ihre Emissionen reduzieren zu wollen oder klimafreundlicher zu werden. Die Studie zeigt jedoch, dass diese Versprechen oft:
- nicht konkret genug sind (z. B. ohne klare Ziele oder Zeitpläne),
- schwer überprüfbar sind,
- oder wichtige Emissionsquellen gar nicht berücksichtigen.
- Fokus auf positives Image statt auf tatsächliche Wirkung
Die Unternehmen betonen häufig einzelne Massnahmen (z. B. effizientere Produktion oder kleinere Projekte), während sie:
- den Grossteil ihrer Emissionen ausblenden,
- oder weiterhin stark auf klimaschädliche Produktionsmodelle setzen.
Das erzeugt ein umweltfreundliches Image, ohne dass sich grundlegend etwas ändert.
- „Greenwashing“ ist weit verbreitet
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass viele Aussagen der untersuchten Firmen als Greenwashing gelten können. Das bedeutet:
- Umweltfreundlichkeit wird übertrieben dargestellt,
- negative Auswirkungen werden heruntergespielt,
- Konsumenten werden dadurch in die Irre geführt.
- Tierliche Produkte sind ein grosser Klimafaktor
Ein wichtiger Hintergrund: Fleisch- und Milchproduktion verursacht erhebliche Treibhausgasemissionen. Die Studie betont, dass echte Klimaschutzmassnahmen in diesem Sektor besonders wichtig wären – aktuell aber nicht ausreichend umgesetzt werden.
Fazit
Viele grosse Fleisch- und Milchunternehmen präsentieren sich als klimabewusst, ohne dass ihre Massnahmen dem Ausmass des Problems entsprechen. Die Studie fordert mehr:
- Transparenz,
- überprüfbare Ziele,
- und echte Emissionsreduktionen statt blosser PR.
Zentrale Kritikpunkte im Detail
- Unvollständige Klimabilanzen (Scope-Problem)
Viele Unternehmen berücksichtigen nicht alle Emissionen:
- Scope 1 und 2: direkte Emissionen + Energieverbrauch → oft angegeben
- Scope 3: Emissionen entlang der Lieferkette (z. B. Tierhaltung, Futtermittel) → oft ausgeklammert oder verharmlost
Gerade bei Fleisch- und Milchprodukten entstehen der Grossteil der Emissionen in Scope 3. Wenn diese fehlen, wirken Klimaziele deutlich besser, als sie tatsächlich sind.
- Netto-Null-Ziele ohne Substanz
Viele Firmen versprechen „Netto-Null“ (Net Zero), aber:
- keine klaren Zwischenziele (z. B. bis 2030),
- keine konkreten Massnahmen,
- starke Abhängigkeit von Kompensation (z. B. CO₂-Zertifikate statt echter Reduktion).
Das verschiebt das Problem in die Zukunft, statt Emissionen jetzt real zu senken.
- Betonung kleiner Verbesserungen („Cherry Picking“)
Unternehmen heben gezielt einzelne Massnahmen hervor, z. B.:
- effizientere Verpackung,
- geringerer Energieverbrauch in Fabriken,
- Pilotprojekte für nachhaltige Landwirtschaft.
Diese Massnahmen betreffen oft nur einen kleinen Teil der Gesamtbelastung, werden aber stark beworben.
- Sprachliche Tricks und vage Aussagen
Typische Formulierungen:
- „Wir setzen uns für Nachhaltigkeit ein“
- „Wir unterstützen klimafreundliche Lösungen“
- „Wir arbeiten an der Reduktion unserer Emissionen“
Das klingt gut, ist aber:
- nicht messbar,
- nicht überprüfbar,
- oft ohne konkrete Verpflichtung.
- Kein Hinterfragen des Geschäftsmodells
Ein zentraler Punkt der Studie:
Die Unternehmen stellen nicht infrage, dass die Produktion von Fleisch und Milch an sich sehr emissionsintensiv ist.
Stattdessen:
- Fokus auf Effizienzsteigerung,
- aber keine Reduktion der Produktionsmenge.
Ergebnis: Selbst „verbesserte“ Systeme bleiben klimaschädlich.
Typische Greenwashing-Strategien
- „Wir sind Teil der Lösung“
Unternehmen positionieren sich als Klimaschützer:
Beispiel: Betonung von Partnerschaften mit Umweltinitiativen
Realität: Oft geringe oder keine tatsächliche Wirkung im Kerngeschäft.
- Kompensation statt Reduktion
„Wir gleichen unsere Emissionen aus“
Bedeutet häufig:
- Kauf von CO₂-Zertifikaten,
- statt weniger Emissionen zu verursachen.
- Selektive Datennutzung
Veröffentlichung nur „guter“ Kennzahlen
Problem:
- wichtige Daten fehlen (z. B. Methanemissionen),
- Gesamtbild wird verzerrt.
- „Nachhaltige Tierhaltung“ als Marketing
Werbung mit Begriffen wie „klimafreundlich produziert“
Kritik:
- wissenschaftlich nicht haltbar,
- da Tierhaltung grundsätzlich emissionsintensiv bleibt.
- Langfristige Versprechen ohne Druck
„Klimaneutral bis 2050“
Problem:
- sehr weit in der Zukunft,
- keine kurzfristige Verpflichtung,
- schwer kontrollierbar.
Gesamtbewertung der Studie
Die Autorinnen kommen zu dem Schluss:
- Greenwashing ist kein Einzelfall, sondern systematisch verbreitet.
- Die Kommunikation vieler Unternehmen ist irreführend für Verbraucher.
- Ohne strengere Regeln besteht die Gefahr, dass notwendige Klimaschutzmassnahmen verzögert werden.
Was die Studie implizit fordert
- Klare, überprüfbare Klimaziele
- Einbeziehung aller Emissionen (inkl. Scope 3)
- Weniger Fokus auf PR, mehr auf reale Veränderungen
- Politische Regulierung gegen irreführende Umweltwerbung
Referenz: Bach, M., Loy, L., Mach, K.J., McDermid, S.S. and Jacquet, J. (2026) ‘Environmental claims, climate promises, and “greenwashing” by meat and dairy companies’, PLOS Climate, 5(4), e0000773. Available at: https://doi.org/10.1371/journal.pclm.0000773
