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Die Studie untersuchte einen biologischen Mechanismus, der erklären könnte, warum hoher Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko in Verbindung gebracht wird.

Im Mittelpunkt steht Neu5Gc, ein Zuckerbaustein, der vor allem in rotem Fleisch und Milchprodukten von Säugetieren vorkommt. Menschen können Neu5Gc nicht selbst herstellen. Kleine Mengen aus der Nahrung können jedoch in menschliches Gewebe eingebaut werden. Gleichzeitig bildet der Körper Antikörper gegen Neu5Gc. Die Hypothese lautet, dass diese Kombination chronische Entzündungsreaktionen fördern könnte.

Für rund 19.600 Teilnehmer der französischen NutriNet-Santé-Studie berechneten die Forschenden anhand detaillierter Ernährungsprotokolle die Neu5Gc-Aufnahme. Bei 120 ausgewählten Personen untersuchten sie zusätzlich die entsprechenden Antikörper im Blut.

Je mehr Neu5Gc die Teilnehmer über rotes Fleisch und Milchprodukte aufnahmen, desto höher waren tendenziell die Mengen bestimmter Anti-Neu5Gc-Antikörper im Blut. Ausserdem veränderte sich die Zusammensetzung dieser Antikörper. Damit zeigte die Studie erstmals beim Menschen einen direkten Zusammenhang zwischen der Neu5Gc-Aufnahme aus der Ernährung und der Immunreaktion dagegen.

Die Autoren verglichen ausserdem internationale Daten aus 152 Ländern: Länder mit höherem Konsum von rotem Fleisch hatten im Durchschnitt höhere Darmkrebsraten. Solche Ländervergleiche können jedoch durch viele andere Faktoren wie Rauchen, Alkohol, Übergewicht oder Bewegung beeinflusst werden.

Die Ergebnisse liefern einen plausiblen Mechanismus: Viel Neu5Gc aus der Nahrung → mehr Anti-Neu5Gc-Antikörper → chronische Entzündungsprozesse → Förderung von Krebs.

Die Studie zeigt, dass Menschen, die mehr Neu5Gc aus rotem Fleisch und Milchprodukten aufnehmen, auch eine stärkere Antikörperreaktion dagegen aufweisen.

Referenz: Bashir, S., Fezeu, L.K., Leviatan Ben-Arye, S. et al. Association between Neu5Gc carbohydrate and serum antibodies against it provides the molecular link to cancer: French NutriNet-Santé study. BMC Med 18, 262 (2020). https://doi.org/10.1186/s12916-020-01721-8