«Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollten verstehen, warum Menschen unter akutem Stress häufig unflexibler denken und neue Situationen schlechter einordnen können. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal Science Advances.»
«Stress beeinträchtigt geistige Leistungen nicht pauschal. In manchen Situationen kann er Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit sogar steigern. Wer einer unmittelbaren Gefahr begegnet, profitiert davon, rasch auf relevante Reize zu reagieren. Komplexes Denken folgt allerdings anderen Regeln. Es lebt davon, Informationen miteinander zu vergleichen, Erfahrungen einzuordnen und flexibel auf neue Situationen zu übertragen. Genau diese Fähigkeiten scheinen unter Stress besonders anfällig zu sein.»
«Aus evolutionsbiologischer Sicht ist das plausibel. In einer akuten Bedrohungslage ist es wichtiger, schnell zu handeln als vielfältige Erinnerungen miteinander zu verknüpfen. Das Gehirn könnte daher vorübergehend von einem vernetzenden in einen stärker fokussierten Modus wechseln. Es verarbeitet Informationen unmittelbarer, verliert dabei aber einen Teil seiner geistigen Beweglichkeit.»
«Die Studie deutet dabei auf eine wichtige Erkenntnis hin: Stress löscht Erinnerungen nicht einfach. Er verändert ihre Architektur. Das Wissen bleibt erhalten, doch die Verbindungen zwischen den einzelnen Erinnerungen werden schwächer. Aus einem Netz wird ein Mosaik einzelner Fragmente – und genau das könnte erklären, warum wir uns unter Druck oft hochkonzentriert fühlen und dennoch den Überblick verlieren.»
Studie Referenz: Kai A. Schüren et al. ,Stress disrupts hippocampal integration of overlapping events and memory inference in humans.Sci. Adv.12,eaea5496(2026).DOI:10.1126/sciadv.aea5496
