Bis zu 37 % der Brustkrebsfälle könnten auf eine Infektion mit dem Rinderleukämievirus zurückzuführen sein.
Die Zahl der Brustkrebsfälle steigt weltweit weiter an. In den Vereinigten Staaten betrug dieser Anstieg um die Jahrhundertwende 40 %. Derzeit liegt der Hauptansatz zur Senkung der Sterblichkeitsrate in der Früherkennung und Behandlung. Das ist wichtig, aber warum nicht den Fokus stärker auf die Primärprävention legen – also Menschen vor Risikofaktoren schützen, damit sie gar nicht erst an Brustkrebs erkranken?
Insgesamt wird geschätzt, dass 20 % aller menschlichen Krebserkrankungen infektiösen Ursprungs sind. Viren können Krebs auslösen, indem sie Krebsgene aktivieren oder krebshemmende Gene deaktivieren. Sie können aber auch allein durch die Verursachung chronischer Entzündungen zur Tumorentstehung beitragen. Derzeit gelten krebsauslösende Viren als die plausibelste Hypothese für eine direkte Ursache von Brustkrebs beim Menschen. Wie kam es dazu?
Alles begann vor etwa 40 Jahren, als ein Virologieprofessor an der UC Berkeley herausfand, wie das Mammakarzinomvirus bei Mäusen entdeckt wurde. Wissenschaftler tauschten Mäusebabys von Müttern mit einem hohen Brustkrebsrisiko gegen Babys von Mäusestämmen mit einem niedrigen Risiko aus und stellten fest, dass das Krebsrisiko bei den Jungtieren dem ihrer Pflegemütter entsprach – nicht dem ihrer leiblichen Mütter. Dies bewies, dass es nicht genetisch bedingt war. «Mir wurde klar, dass auch Menschen quasi von der Kuh gesäugt werden», sagte der Professor.
Das Bovine Leukämievirus (BLV) war gerade erst als krebserregendes Virus bei Rindern identifiziert worden. Damals waren nur etwa 10 % der US-amerikanischen Milchkühe infiziert, mittlerweile sind es fast die Hälfte. Anfangs waren 66 % der Herden betroffen. Später lag der Anteil, basierend auf positiven Milchtests, bei etwa 80 %, und in den grösseren industriellen Milchviehbetrieben waren sogar 100 % der Herden infiziert. Mittlerweile sind über 94 % der US-amerikanischen Herden betroffen, womit sich der historische Trend der anhaltenden Verbreitung von BLV in den US-amerikanischen Milchviehbeständen fortsetzt.
Es ist seit Langem bekannt, dass Menschen in Ländern mit dem höchsten Milchkonsum auch die höchste Brustkrebsrate aufweisen. Wie Sie unten und in dm Video «Bovines Leukämievirus als Ursache von Brustkrebs» (ab Minute 2:32) sehen können, beschränkt sich der Zusammenhang zwischen Milchkonsum und Brustkrebsrate jedoch nicht nur auf Länderebene. Auch Frauen mit Laktoseintoleranz, die weniger Milchprodukte konsumieren, scheinen ein geringeres Brustkrebsrisiko zu haben.Milch enthält zahlreiche Stoffe, die das Krebsrisiko erhöhen können, wie beispielsweise gesättigte Fettsäuren und krebsfördernde Wachstumshormone wie IGF-1.
Ja, wir wissen, dass das Rinderleukämievirus in Rindfleisch und Milchprodukten vorkommt. Etwa die Hälfte aller Milch- und Fleischproben weisen Spuren des Virus auf. Tatsächlich lässt sich das Virus auf Milchviehbetrieben direkt in der Luft, auf Oberflächen und sogar in der Milch selbst nachweisen. Die meiste Milch wird pasteurisiert, viele Milchprodukte wie Rohmilchkäse jedoch nicht. Und wer hat nicht schon einmal einen innen noch rosa gebratenen Hamburger gegessen?
Ja, es gibt Beweise dafür, dass Menschen dem Virus ausgesetzt sind. Ja, es gibt Beweise dafür, dass Menschen aktiv mit dem Virus infiziert sind. Doch erst 2015 erfuhren wir, dass die Infektionsraten in Brustkrebsgewebe am höchsten sind, wie Sie unten und bei 3:30 in dem Video sehen können.
So sehr, dass bis zu 37 % der Brustkrebsfälle auf eine Infektion mit dem Rinderleukämievirus zurückzuführen sein könnten.
Referenz:
https://nutritionfacts.org/blog/could-bovine-leukemia-virus-be-a-cause-of-breast-cancer/
