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«Wenn Menschen damit konfrontiert werden, dass ihr Ernährungsverhalten ein deutliches moralisches Fehlverhalten ist, fühlen sie sich angegriffen.»

«Auch im Umgang mit nicht-menschlichen empfindungsfähigen Wesen gab es Fortschritte. Viele Länder kriminalisieren heute Tierquälerei. Wenn man eine Katze bei lebendigem Leib häutet, kann man dafür strafrechtlich belangt werden. Das ist für sich genommen positiv, aber es ist de facto nur symbolisch.»

«Denn: Unser Umgang mit Tieren ist heute so desaströs schlecht wie noch nie. Wir befinden uns inmitten einer wachsenden moralischen Katastrophe.»

«Im Jahr 2024 wurden weltweit über 370 Millionen Tonnen Fleisch aus Landtieren produziert und über 180 Millionen Tonnen von gezüchtetem oder gefangenem Fisch. Diese Unmengen an Fleisch bedeuten eine kaum vorstellbare Menge an Leid und Tod. Jedes Jahr werden über 80 Milliarden Landtiere umgebracht. Mindestens 120 Milliarden gezüchtete Fische werden pro Jahr umgebracht. Und über eine Billion Fische, also mehr als 1000 Milliarden, werden pro Jahr in freier Wildbahn gefischt und umgebracht.»

«Obwohl die meisten Menschen keine Psychopathen sind und Tiere gern haben, befinden wir uns gegenwärtig beim Umgang mit Tieren in der grössten moralischen Katastrophe der Geschichte. Warum? Warum ist die Idee tierfreier oder tierarmer Ernährung so grundlegend und umfassend gescheitert?»

«Der Verzehr von Fleisch ist ein psychologisch tief verwurzelter irrationaler Vorgang. Die wirksamste Massnahme, um Menschen dazu zu bewegen, ihren Fleischkonsum zu reflektieren, ist das, was Billie Eilish gemacht hat: unumwunden ansprechen, dass Fleischkonsum grosses unnötiges Leid verursacht.»

«Die Kritik richtet sich an Menschen in reichen westlichen Ländern, die ohne jede Einbusse der Lebensqualität auf Fleisch verzichten können. Das ist der Kern des moralischen Arguments: Es geht um die Verhinderung unnötigen Leids. Es geht darum, dass jene, die ohne nennenswerte Konsequenzen Leid vermeiden können, dies auch tun sollten.»

«In den Parteiprogrammen und Positionspapieren von SP und den Grünen in der Schweiz oder der SPD in Deutschland ist Tierleid im Kontext von Ernährung überhaupt kein Thema. Die Grünen in Deutschland fordern auf nur einer von den 160 Seiten in ihrem Regierungsprogramm, dass Tiere in der Massentierhaltung weniger qualvoll gehalten werden sollen.»

«Interessanterweise betonen linke Parteien Vegetarismus und Veganismus nicht mal im Kontext von Klimawandel besonders stark. Die Reduktion des Konsums von Fleisch und tierischen Produkten ist eine hochwirksame und sehr direkt umsetzbare Massnahme, um den Ausstoss von Treibhausgasen zu reduzieren. Das ist bei linken Parteien aber eine Randnotiz.»

«Denn bei der SP ist Tierkonsum bei Klimawandel überhaupt kein Thema. In ihrem «Klima-Marshallplan» von 2019 macht die SP ganze 40 Forderungen zur Bekämpfung von Klimawandel. Die Reduktion des Konsums von Fleisch und tierischen Produkten wird in keinem einzigen davon erwähnt.»

«Die SP betont zurecht, wie wichtig es ist, gegen Klimawandel vorzugehen. Aber ausgerechnet eine der wirksamsten Massnahmen dazu wird überhaupt nicht thematisiert. Auch die Genossen wollen nicht auf ihre Bratwurst verzichten.»

«Aber der Umstand, dass ausgerechnet linke Parteien, die traditionell die Vorreiter der Ausweitung des moralischen Kreises waren, diese Ausweitung beim Leid nicht-menschlicher Tiere kaum vorantreiben, ist bemerkenswert. Wenn die Akteure, die sich sonst für weniger Leid und mehr Mitgefühl einsetzen, das bei nicht-menschlichen Tieren nicht tun, dann tut es niemand.»

«Der brutale Umgang mit Tieren, den wir heute haben, ist darum normalisiert: Man kennt es nicht anders. Nicht das katastrophale unnötige Leid, das wir empfindungsfähigen Tieren zuführen, wird als abnormal angesehen. Die Abweichung von diesem Status Quo wirkt abnormal.»

«Was mir aber klar scheint: Wenn die Menschheit in den kommenden Jahrzehnten nicht kollabiert, sondern stattdessen eine positive Zukunft erlebt (unwahrscheinlich, aber man darf hoffen), werden unsere Nachfahren nicht glauben können, in welch industriellem Ausmass wir Leid verursacht haben – und zwar nur, weil es uns schmeckt.»

Anmerkung: Schon vor Jahren habe ich erkannt, dass der Veganismus und damit die Moral auf dieser Welt gescheitert sind. Das Schlachten und Morden breiten sich nun auch völlig skrupellos und hemmungslos ganz offen auf Menschen aus, wie die Schurkenstaaten USA und Israel zusammen mit dem morallosen «Werte-Westen» so eindrucksvoll wie widerwärtig in Gaza beweisen. Trotzdem gilt für mich nicht nur beim Veganismus die Aussage von Ernesto Rafael Guevara de la Serna: «Seien wir realistisch und versuchen wir das Unmögliche» («Seamos realistas y hagamos lo imposible.»)

https://www.nau.ch/lifestyle/food/marko-kovic-warum-ist-veganismus-gescheitert-67129506